Abgeschnitten von der Außenwelt

Sibylle Fosters (l.) und Angelika Paschs Festnetzanschluss, der über die Oberleitung entlang des Obergeorgswerder Deichs angebunden ist, fällt immer wieder wochenlang aus. Dann ist das Handy ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. „Dabei leben wir doch in einer Großstadt. Von hier sind es nur etwa sieben Kilometer zum Rathaus“, sagt Foster.

Bewohnerinnen des Niedergeorgswerder Deichs klagen über wochenlange Telefonausfälle

Sibylle Fosters Briefwechsel mit der Telekom füllt einen ganzen Ordner. Seit Jahren ärgert sich die Übersetzerin, die in ihrem Haus im Obergeorgswerder Deich lebt und arbeitet, darüber, dass ihr Anschluss gestört ist oder gar wochenlang ganz ausfällt. 2011 war die Leitung drei Monate lang tot. Zuletzt konnte Foster nach dem Orkan Christian vier Wochen lang nicht telefonieren. „Ich bin aber beruflich auf Telefon und Internet angewiesen“, sagt sie und fügt verärgert hinzu: „Die Telekom tut nichts. Wir fühlen uns abgeschrieben!“
Auch ihre Nachbarin Angelika Pasch klagt über regelmäßige Telefonausfälle. „Man kriegt immer zu hören: ,Das liegt an Ihrem Telefon’“, sagt sie wütend. Dabei kenne die Telekom das Problem schon seit Jahren, schließlich waren schon unzählige Telekom-Techniker vor Ort. Denn die oberirdische Telefonleitung, an die Pasch und Foster angeschlossen sind, sei extrem störanfällig. „Wir sind am Ende einer Leitung, die aus Rothenburgsort kommt“, erklärt Foster. Nachbarn, die über Georgswerder versorgt werden, hätten keine Probleme, berichten beide Frauen. Auch das Internet sei ein Problem: Um eine halbwegs verlässliche und schnelle Internetverbindung zu haben, surfen beide inzwischen über das Mobilfunknetz.
Foster und Pasch fordern seit Jahren, dass die Telekom sie an eine stabile Leitung hängt. Als vor ihren Häusern ein neues Glasfaserkabel für eine schnelle Internetverbindung in den benachbarten Logistikpark gelegt wurde, schöpften beide neue Hoffnung. „Aber die Telekom weigert sich, uns daran zu hängen“, sagt Fos-ter wütend.
Weil sie bei ihrem Telefonanbieter nicht weiter kam, sammelte Foster 2011 in ihrer Straße Unterschriften und wandte sich mit der Forderung, ihre Straße an den Verteiler Georgswerder anzuschließen, an die Bürgerschaft. Die verwies sie an die Bundes-netzagentur. Doch auch hier gab es keine Hilfe. „Es hieß, wir haben Anspruch auf Telefon, aber wir haben keinen Anspruch auf schnelles Internet“, erzählt Fos-ter. Doch: Verbraucher, deren Telefonleitungen über einen längeren Zeitrum nicht funktionieren, können dies der Bundes-netzagentur melden. „Dann können wir an die Telekom Deutschland GmbH herantreten und für schnelle Abhilfe sorgen“, sagt Armasari Soetarto, Sprecherin der Bundesnetzagentur.


Das sagt die Telekom:
Die Häuser von Sibylle Foster und Angelika Pasch können laut Telekom aus technischen Gründen nicht an andere Leitungen angeschlossen werden. „An der fraglichen Stelle grenzen Anschlussbereiche aneinander. Diese Bereiche lassen sich ohne erhebliche Eingriffe in die gewachsene Netzarchitektur nicht verändern“, sagt Telekom-Sprecher Andreas Fuchs. Ein Anschluss an die Glasfaserleitung des Grußkunden Kühne+Nagel im angrenzenden Gewerbegebiet sei nicht möglich, weil diese Leitung nicht für Privatkundenanschlüsse nutzbar sei. Der Telekom-Sprecher macht den Georgswerdern nur wenig Hoffnung: „Die Deutsche Telekom investiert jährlich mehrere Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Netze. Ob dies allerdings in naher Zukunft konkret am diskutierten Ort zu einer Verbesserung führen wird, kann ich derzeit nicht sagen.“ Zumindest zeigt sich das Unternehmen nach der Anfrage des Wochenblatts kulanter als sonst: Für den Zeitraum des letzten Ausfalls müssen Pasch und Foster keine Grundgebühr zahlen und bekommen zum ersten Mal sogar die Handykosten erstattet.
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