300 Flüchtlinge ziehen in Kirchdorfer Schule

In der ehemaligen Schule Karl-Arnold-Ring leben jetzt Flüchtlinge. (Foto: Christopher von Savigny)

Behörde richtet Erstaufnahmen am Karl-Arnold-Ring und in der Dratelnstraße ein

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg

Vor dem Eingang der ehemaligen Schule am Karl-Arnold-Ring stehen drei dunkel gekleidete Frauen mit Kopftüchern. Eine von ihnen hält ein Baby auf dem Arm. Sie unterhalten sich angeregt mit einer Anwohnerin, die ihnen Decken vorbeigebracht hat. „Es geht ihnen gar nicht gut“, sagt die Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Am vergangenen Mittwoch sind die ersten Flüchtlinge in leerstehende Schulgebäude im Karl-Arnold-Ring 11 einquartiert worden. In den 20 ehemaligen Klassenräumen stehen jetzt Feldbetten. „Die Frauen müssen mit den Männern in einem Raum schlafen, aber das wollen sie nicht“, berichtet die Anwohnerin. Zudem sei die Versorgung mit Lebensmitteln und Babyutensilien mangelhaft.
Weil die vier bestehenden Zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen (ZEA) für Flüchtlinge komplett überfüllt sind, musste die Stadt angesichts des wachsenden Flüchtlingsstroms in Windeseile neue Unterkünfte schaffen. In den Erstaufnahmen sollen ankommende Flüchtlinge für maximal drei Monate untergebracht werden. Tatsächlich sind zurzeit viele deutlich länger da, Hunderte müssen zudem aus Platzmangel in Zelten schlafen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt als Notmaßnahme die neue ZEA für 300 Personen in Kirchdorf-Süd eingerichtet, eine weitere für 240 Personen soll im Oktober auf dem ehemaligen igs-Parkplatz in der Dratelnstraße entstehen.
„Wir waren sehr überrascht von der Entscheidung, die Flüchtlinge hierherzubringen“, sagt Barbara Kopf, Leiterin des Freizeithauses Kirchdorf-Süd. Einmal im Monat trifft sich Kopf mit ihrer „Arbeitsgemeinschaft Kirchdorf“, in der sich soziale Einrichtungen aus dem Stadtteil engagieren. Die AG will jetzt dazu beitragen, dass sich die neuen Nachbarn im Stadtteil wohlfühlen. Vorstellbar seien etwa Deutsch- oder Handarbeitskurse für die Flüchtlinge. Auch Kleidung und Spielzeug werde in der ZEA gebraucht. Wer etwas zu vergeben hat, kann sich bei der Initiative „Kirchdorf-Süd hilft“ melden (Kontakt: k.rueckert@bhh-sozialkontor.de).
Insgesamt werden in Hamburg fünf neue Erstaufnahmestellen eingerichtet. Nach Auskunft der Sozialbehörde engagieren sich in der Hansestadt derzeit 430 Freiwillige in den Unterkünften. Zu den Angeboten zählen Hausaufgaben- oder Nachhilfe, Spiel-, Sport- oder Kreativangebote, Theater- und Musikprojekte sowie Mutter-Kind-Gruppen.
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