100 Bäume weg für drei Monate parken

Will den letzten naturbelassenen Grüngürtel im Wilhelmsburger Westen retten: Harald Köpke, Ex-BUND-Landeschef. Foto: cvs

Für befristeten Parkplatz der internationalen Gartenschau wird eine Sumpfwiese zerstört

von Christopher v. Savigny

Erneut sollen in Wilhelmsburg Bäume gefällt werden – und wieder mal für die Internationale Gartenschau (igs), die doch eigentlich die Natur der Elbinsel schützen und bewahren sollte. Im konkreten Fall geht es um einen Parkplatz mit 1.335 Stellplätzen, den die igs an der Dratelnstraße errichten möchte.
Rund 100 Bäume müssten dafür weichen, ein vier Hektar großes Feuchtgebiet mit seltenen Tier- und Pflanzenarten würde quasi dem Erdboden gleichgemacht. Dagegen wehrt sich jetzt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Besonders absurd finden die Naturschützer, dass der Parkplatz nur für die Dauer der Ausstellung benötigt wird, also für lediglich drei Monate. „Das ist doch irre!“, sagt Harald Köpke, Ex-BUND-Landesvorsitzender.
Das betroffene Gelände befindet sich auf der Westseite der Dratelnstraße, zwischen dem ESV-Sportplatz und der EinzA-Lackfabrik. In dem urtümlichen Sumpfgebiet, das von der Neuenfelder Wettern durchflossen wird, sind Schilf und Röhricht zuhause, ebenso wie etliche 50 bis 60 Jahre alte Weiden. Riesige Brombeergebüsche bieten Vogelarten wie Rohrsänger, Feldsperling und Gelbspötter, von dem es hamburgweit nur zwei oder drei Brutpaare gibt, Möglichkeiten für den Nestbau. Auch die seltene Kurzflügelige Schwertschrecke, eine Grashüpferart, und der Wespenbussard wurde hier bereits gesichtet. „Das ist der letzte große Grüngürtel in dieser Ecke“, sagt Köpke. „Eigentlich hätten sich hier die Tiere ansiedeln sollen, die vom Gartenschaugelände vertrieben wurden. Das geht jetzt nicht mehr“, bedauert er.
Die igs wehrt sich allerdings dagegen, den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen. „Das Areal ist von der Baubehörde als Entwicklungsfläche ausgeschrieben worden, dort sollen langfristig Wohnungen entstehen“, sagt Sprecherin Ina Heidemann. „Wir sehen uns als Zwischennutzer.“ Der große Vorteil für die igs-Besucher sei die Nähe zum Ausstellungsgelände. Zudem sei eine 2,4 Hektar große Ausgleichsfläche im Osten der Elbinsel in Planung. „Diese Fläche wird von uns entsprechend aufgewertet“, kündigt Heidemann an.

FDP findet: Zu wenig Gartenschau-Parkplätze
Die FDP übt noch in einer ganz anderen Sache Kritik an den Parkplatz-Plänen der internationalen Gartenschau (igs): Bis zum Beginn ihrer Ausstellung am 26. April 2013 will die igs insgesamt drei Parkplätze gebaut haben: Neben dem an der Dratelnstraße sind zwei weitere am Reiherstieg und an der Alten Schleuse geplant, beide mit je 400 Stellplätzen. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Kurt Duwe, findet das nicht ausreichend. „In Spitzenzeiten werden 4.000 Parkplätze benötigt“, sagt er. Zwar seien P+R-Stellplätze als Ausweichmöglichkeit vorgesehen. „Das geht aber nur an Sonntagen, da diese sonst von Berufspendlern besetzt sind.“ Die Verkehrsplanung der igs sei „reif für den Zirkus“, so Duwe.
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3 Kommentare
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 09.03.2012 | 15:26  
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 12.03.2012 | 23:38  
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 06.05.2012 | 00:58  
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