Wilhelmsburger erzählen, wie es sich hier leben lässt

Ottmar Furhmann (52). Vermisst nicht nur den Deichvogt, sondern hat auch Angst um die Grünflächen der Elbinsel. Foto: pw
Ottmar Fuhrmann arbeitet als Hausbetreuer in einem der Hochhäuser am Berta-Kröger-Platz, ist Ansprechpartner für Mieter und Handwerker. Er sitzt in einem kleinen Raum, während draußen der Wochenmarkt im Regen stattfindet, und immer wieder schauen Handwerker herein, die gerade mit der Sanierung der Fassaden beschäftigt sind. „Die stehen unter Asbestverdacht, die Außenfassaden", erklärt Fuhrmann.
Sei 40 Jahren seien weder die Häuser saniert noch die Wohnungen renoviert worden, erzählt der Wilhelmsburger. Seit vier Jahren sitzt Fuhrmann hier in seiner Loge. „"Das is’n Ein-Euro-Job", so der HSV-Fan. Trotzdem sei er sehr zufrieden, die Arbeit würde ihm Spaß machen. Eigentlich ist er Kraftfahrer, aus gesundheitlichen Gründen kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die Hausbewohner sich wohlfühlen. „Der Vandalismus ist auch sehr zurück gegangen, seitdem es hier Hausbetreuer gibt“, erzählt Fuhrmann nicht ohne Stolz.
Der gebürtige Wilhelmsburger liebt seine Elbinseln. Er hat jedoch auch Angst, dass das Grün, für das er seine Heimat so mag, mit der Internationalen Gartenschau und Bauausstellung verschwindet. Es sei zwar klar, dass etwas geschehen müsse, gibt der 52-Jährige zu, man hätte das aber besser abstimmen müssen mit den Anwohnern. Grade für die Wilhelmsburger, die eben nicht zugezogen seien, bedeuteten die Ausstellungen auch schmerzhafte Einschnitte. „Gerade hat hier zum Beispiel die beste Kneipe Wilhelmsburgs, der ‘Deichvogt’, zugemacht. Jetzt kann man hier nicht einmal mehr abends ein kleines Bierchen trinken und dabei auch mal etwas unter Wilhelmsburgern sein.“ Fuhrmann lacht, während er das erzählt, es ist ihm anzumerken, dass er sich in dem Moment als Wilhelmsburger und nicht als Hamburger mit dem Stadtteil identifiziert, und die beiden Internationalen Ausstellungen als Hamburger Projekte betrachtet. Dafür hat er auch ein Beispiel: „Wer braucht hier auf den Elbinseln schon eine Seilbahn nach St. Pauli?“, fragt Fuhrmann in Anspielung auf das 50 Millionen Euro teure igs-Projekt.
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