Psychose: Die Hölle zu Hause

Ehemann der Erkrankten ist verzweifelt: „Sie geht nicht zum Arzt!“

Andreas Steffens* (51) hatte ein ganz normales Leben: einen sicheren Job, ein Häuschen im grünen Kirchdorf, eine nette Frau und einen Sohn, der studiert. Vor zwei Jahren bekam sein Glück Risse: seine Frau Anja (48) erkrankte an einer Psychose. Erst nur leicht, dann wurde es schlimmer. Sein Leben brach auseinander. Heute ist nichts mehr, wie es war. „Ich bin verzweifelt“, sagt der Kirchdorfer.
Anfang 2009 fing es an: Aus heiterem Himmel habe ihn seine Frau verdächtigt, fremd zu gehen. „Mit einer Arbeitskollegin, doch da war nichts“, beteuert Steffens. In den ganzen 25 Jahren habe er seine Frau nie betrogen. Plötzlich witterte sie überall Betrug, fühlte sich von den angeblichen Liebhaberinnen ihres Mannes verfolgt, hörte deren Stimmen und sah sie schließlich sogar in ihrem Schlafzimmer sitzen.
Eine Psychologin diagnostizierte eine Psychose mit Paranoia, die unbedingt behandelt werden müsse – doch Anja Steffens weigerte sich. Auch die verschriebenen Medikamente nahm sie nicht. Die Folge: Die Wahnvorstellungen verschlimmerten sich. „Neulich ist sie dermaßen ausgerastet, dass ich die Polizei rufen musste“, so Steffens. Doch die Beamten zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Auch eine hinzugerufene Amtsärztin konnte nicht weiterhelfen. „Es muss offenbar erst etwas wirklich Schlimmes passieren, bevor meine Frau zwangsweise in eine Klinik eingewiesen wird“, klagt Steffens.
„Wenn keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, kann man nichts machen“, bestätigt Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt der Psychiatrie der Asklepius Klinik Harburg. „Gegen den Willen der Patientin darf man nicht behandeln.“ Dennoch gebe es Möglichkeiten: „Er sollte sich an den sozialpsychiatrischen Dienst wenden“, rät Unger.
„Zwangseinweisungen gibt es tatsächlich nur bei akuter gefahr“, erklärt Gabriela Peters. Die Mitarbeiterin des sozialpsychiatrischen Dienstes im Bezirksamt Mitte kann dennoch helfen: „Wir machen Hausbesuche und können gegebenenfalls eine gesetzliche Betreuung veranlassen.“ Doch auch das sei nicht so einfach, da die Persönlichkeitsrechte sehr hoch gewertet würden. „Das ist für die Angehörigen manchmal schwer auszuhalten, doch früher wurde allzu schnell entmündigt“, so Peters.
* Name geändert
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