Zeuge gesucht – Zeuge ge (er) -funden!

Zeuge gesucht? Zeuge gefunden? Zeuge erfunden?
Wer glaubt, dass durch Zeugen viele Dinge zu Recht werden, der irrt. Manches Mal wird gelogen, in anderen Fällen will man förmlich belogen werden! Dieses Spiel machte aber einer meiner Nachbarn nicht mit. Wie einfach solches aber wäre, das zeigt seine Offenheit, an den Tag gelegt gegenüber einem Kreiswehrersatzamt. Im ersten Vierteljahr in 1989 wurde er bei der Bundeswehr ausgemustert, seine Einsatzbekleidung wurde ihm zur Aufbewahrung nach Hause mitgegeben. 1990 wechselte er aus beruflichen Gründen in die neuen Bundesländer, wo er über 12 Jahre verbrachte, um danach wieder nach Hamburg zurückzukehren. Im Plattenbau gab es nur in den Kellergewölben Möglichkeiten zur Aufbewahrung, schwer zu kontrollieren, wer sich dort alles und zu welchen Zwecken herumtrieb.

Irgendwann entdeckte mein Nachbar, zusammen mit anderen Mietern, dass eingebrochen wurde. Dabei wurde ihm die Einsatzbekleidung samt Seesack entwendet. Kein großer Verlust, meinte er, nach so vielen Jahren wird die Bundeswehr das nicht mehr zurück haben wollen. Ein typischer Fall eines Irrtums. Nach 18 (!) Jahren kam ein Schreiben, er möge doch die Bekleidung zurückgeben.

Nunmehr meldete er den Einbruchdiebstahl der Behörde. Diese jedoch schrieb zurück, ob er das polizeilich zur Anzeige gebracht habe. Hatte er nicht. Er fragte zurück, ob der Absender das gemacht hätte, um die Skinheads, die in der Kreisstadt, in welcher er damals lebte, nachts mit lauten und rechten Parolen, im Bundeswehr-Kampfanzug durch die Straße ziehend, gegen sich zu aktivieren? Keine Antwort. Statt dessen ein weiteres Schreiben, ob es für den Einbruch einen Zeugen gäbe. Gab es nicht. Mein Nachbar schrieb, ob er sich bei Bier und Korn mit einem ehemaligen anderen Nachbarn zusammensetzen soll, um diesen als Zeugen wahrheitswidrig zu benennen? Seither ist Ruhe im Schiff, nunmehr fast 6 Jahre.

Nachdenklich geworden startete ich einen Test. Ich traf in Eidelstedt auf dem Markt eine ungepflegt, aber sympathisch wirkende, auf einer Bank sitzende Gruppe von offenbar beschäftigungslosen Männern, welche Bier tranken. Auf einen konstruierten Vorfall angesprochen fragte ich diese, ob sie das beobachtet hätten. Lachend sagte einer: „Wenn es nicht um Mord geht, bezeuge ich für eine Kiste Bier alles!“ Soll heißen: Wenn du einen Zeugen suchst, dann wirst du einen finden. Wenn nicht gefunden, dann erfunden.
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