Viel mehr als Fetischpartys

Alexander Schlüter machte die ehemalige Salbenfabrik zu einem Namen in der Partyszene. Foto: kp flügel
Hamburg: Edelfettwerk |

Edelfettwerk: Wie aus einem ehemaligen Industriebetrieb eine Top-Partylocation wurde

K.P. Flügel, Eidelstedt

Schlagzeilen machte Eidelstedt zuletzt meist mit Kritik an Flüchtlingswohnungen. Aber eine ehemalige Fabrikhalle in der Nähe der S-Bahn-Station bringt den Stadtteil immer wieder mit anderen schrillen Meldungen in Szenemedien: Wenn Fetisch-Partys im Edelfettwerk angekündigt werden, sind das besondere Schlagzeilen. Menschen in Lack, Leder und anderen erotischen Outfits erregen Aufmerksamkeit.
Alexander Schlüter, Geschäftsführer der Partyfabrik, lächelt darüber. „Diese Partys finden zwei Mal im Jahr statt“, sagt er. „Aber das wird gern gelesen, weil es schön verrucht klingt.“ Aus der Praxis weiß der Vermieter der Partylocation: Gerade dieses Publikum benimmt sich top. „Das sind Rechtsanwälte, Zahnärzte und andere gut situierte Menschen, die sich den relativ hohen Eintritt von 40 Euro leisten können“, erklärt er.
Seit der Eröffnung 2003 hat sich das Edelfettwerk in der Schnackenburgallee 202 zu den Top-Event-Örtlichkeiten der Stadt gemausert. „Ursprünglich sollte das hier eine öffentliche Location für elektronische Musik werden“, sagt Schlüter. 1999 hatte er auf dem Fabrikationsgelände seines Vaters eine Silvesterparty organisiert, auf der die halbe Belegschaft des damals angesagten Musiksenders MTV feierte. Schnell sprach sich dann der Charme der dem Abriss geweihten Hallen herum. „Microsoft ist auf mich zugekommen. Die wollten ihr neues Betriebssystem Windows XP vorstellen, danach kam Nike.“
So kam eins zum anderen: Ein Ort mit Industriecharme, feierbereites Publikum, das passende Image und ein Geschäftsmann, der daraus etwas machen konnte. Heute finden im Edelfettwerk Firmenveranstaltungen, Abi-Partys, Hochzeiten oder Geburtstage statt.
„Auf den meisten Partys wird aber elektronische Musik gespielt, also Drum and Bass, Techno, Electro und Trance. Da ziehen wir immer zwischen 300 und 3.000 Gästen an.“ Sichtlich stolz zählt er große Namen der elektronischen DJ-Elite auf, die hier aufgelegt haben: Sven Väth, Dada Life, Westbam, George Morel oder Eric Prydz, auch Marusha. Auch die schwul-lesbische Szene hat das Edelfettwerk schon länger entdeckt: Neulich fand zum achten Mal die Abschlussparty des Christopher Street Day (CSD) an der Schnackenburgallee statt.

Salbenproduktion
Der Name des Edelfettwerks geht auf die ehemalige Produktionsstätte zurück, die Alexander Schlüters Großvater gegründet hatte. Von 1942 bis 1975 wurden an der Schna-ckenburgallee pharmazeutische Salben hergestellt. Anschließend wurde bis 1998 ein Tablettenzerfallsstoff mit dem Namen „Esma-Spreng“ produziert. Alexander Schlüter machte das Gelände im Familienbesitz nach Ende der Produktion schließlich zum Partytempel. Er studierte BWL, arbeitet beim Medienkonzern Universal. Nebenbei habe er schon, als das Gelände noch nicht so schön gestaltet war, Partys veranstaltet. Nach anderthalbjähriger Vorbereitungszeit wurde 2003 das Edelfettwerk eröffnet. Bis heute hat er den Saalbereich zweimal vergrößert – wie auch den Außenbereich. „Jetzt ist hier genug Platz, falls auf einmal 1.000 Gäste nach draußen wollen“, so Schlüter. KP
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