So etwas habe ich in 30 Dienstjahren noch nie erlebt!

Nach 10 Tagen 30 Cent nachgezahlt - in fast 30 Jahren hat er das nie erlebt!
Manchmal sind es ganz kleine Dinge, über welche man heutzutage völlig erstaunt sein muss. Vor etwa 10 Tagen fertigte ich im Postamt am Eidelstedter Platz Fotokopien an, um diese einzutüten und danach eine Vielzahl von Briefen zu frankieren und zu versenden. Dabei habe ich den Ausdruck des Kopieres mit der zu zahlenden Summe, es waren lediglich 30 Cent, in meinen anderen Unterlagen unbeabsichtigt vergessen. Erst zu Hause bin ich auf den nicht gezahlten Beleg gestoßen. Was tun? Nach Eidelstedt zum Postamt fahren? Das wäre in keinem kostenmäßigen Verhältnis gestanden! Also beschloss ich, dieses bei meinem nächsten Besuch im Postamt zu regulieren. Schließlich war ich ja einmal ehrenamtlicher Priester und man kann nicht vom Altar Wasser predigen und selbst Wein trinken. Da sollte man auch in Kleinigkeiten vorbildlich sein.

Als ich jetzt wieder Briefe aufgeben musste, wir sind schließlich in der Adventszeit und da ist das postalische Aufkommen natürlich höher, legte ich den 30-Cent-Beleg vor und entschuldigte mich für meine Unachtsamkeit beim letztmaligen Besuch mit der ausgebliebenen Zahlung. Sehr überrascht hat mich die Reaktion des Postbeamten, der sagte, dass er so etwas in seinen knapp 30 Dienstjahren noch niemals erlebt habe. Er lobte meine Ehrlichkeit derart über den grünen Klee, dass mir solches fast peinlich war. „Glauben Sie, dass hätte ein Bundespräsident im Ruhestand Wulff auch gemacht?“, war seine Frage.

Ich ging doch sehr nachdenklich davon. Ist es denn tatsächlich so, dass Eigennutz und Betrug alltäglich sind und Ehrlichkeit die Ausnahme? Man muss wohl im Kleinen anfangen, um große Dinge verändern zu können. Den Postbeamten konnte ich offenbar davon überzeugen.
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