Ralph Giordano mit den „Bertinis“ in Eidelstedt

88 Jahre, aber geistig hellwach: der in Hamburger aufgewachsene und mittlerweile in Köln lebende Schriftsteller Ralph Giordano las vor Schülern des Gymnasiums Dörpsweg. Foto: cvs
Hamburg: Eidelstedt |

Der 88-jährige Schriftsteller las im Gymnasium Dörpsweg

von Christopher v. Savigny,

Ralph Giordano hat sich die Schulter verrenkt. „Ich bin aus dem Bett gefallen“, erklärt der 88-Jährige. Im Traum lag er auf den Schienen und drohte vom Zug überfahren zu werden.
Träume dieser Art erlebt der Schriftsteller selbst heute noch – fast 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft. Im Rahmen des „Seiteneinsteiger“-Lesefestes las Ralph Giordano am Gymnasium Dörpsweg Auszüge aus seinem Buch „Die Bertinis“ vor. Extra für diese Veranstaltung war der gebürtige Hamburger aus seinem jetzigen Wohnort Köln angereist.
„Dass sich Herr Giordano die Zeit nimmt, ist eine fantastische Sache“, findet Schulleiter Andreas Rothfritz. Traditionell veranstaltet die Schule anlässlich des Seiteneinsteiger-Fests einen Projekttag. Während sich die Fünftklässler mit Märchen beschäftigen, die Sechstklässler Krimis lesen und die Siebtklässler Bücherkisten bauen, steht bei den Achtklässlern das Dritte Reich auf dem Stundenplan. Giordano freut sich, hier zu sein.
„Dass ich vor Schülern lese, hat eine lange Tradition“, sagt er. Auch wenn er „gewisse Hemmungen“ verspüre, da seine jungen Zuhörer ja „total schuldlos“ seien. Seinen Auftritt hält er dennoch für wichtig: „Die Art und Weise, wie ihr euch mit der Geschichte beschäftigt, entscheidet über eure Zukunft“, gibt er seinen Zuhörern mit auf den Weg.
Giordanos stark autobiografisch gefärbter Roman „Die Bertinis“ beschreibt die Geschichte einer deutsch-italienischen Familie in Hamburg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Am Ende müssen sich ihre Mitglieder vor den Nazis verstecken, nach vier Wochen ohne Lebensmittelversorgung werden sie gerettet.
Während der 45-minütigen Lesung ist es still im Raum, viele haben sich Fragen aufgeschrieben, die sie stellen wollen. Ob er heute mit seinem Leben zufrieden sei, fragt ein Schüler im Anschluss. Ja, sagt Giordano. Weil er ein Glückskind sei. „Ich konnte immer sagen und schreiben, was ich wollte. Das können nicht alle von sich behaupten.“
Von den Schülern gab's noch ein kleines Abschiedsgeschenk für den prominenten Gast. „Ich finde es toll, dass er trotz seines Alters gekommen ist“, sagt der zwölfjährige Peter.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.