Praktikum für ALG II-Empfänger: Sinnvoll oder nutzlos?

Nur in einem Langzeitpraktikum investiert der Betrieb in seinen Praktikanten, sonst lohnt sich das nicht!
Praktika in der beruflichen Anpassungsqualifizierung für ALG II Empfänger – ein Schuss in den Ofen? Heute gehört es offenbar zum guten Ton der Bildungsträger, gegenüber den Genehmigungsinstanzen für Bildungspakete zu argumentieren, dass man Praktika vorhalte und die Teilnehmer sich dadurch besser auf eine Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten könnten.

Wahrheit oder lediglich eine fixe Idee? – Beides! Argumentiert man damit, der Praktikumsbetrieb erhalte ohne Kosten eine Arbeitskraft, dann schlägt dieser mal schnell zu und stellt Praktikanten ein. Kein Risiko, keine Sozialversicherungspflicht, keine Steuern, nicht einmal Fahrtkosten. Warum also nicht? Hier stellt sich a priori die Frage, machen solche Praktika überhaupt Sinn. Mitnichten, dann sollte man lieber einen sozialen Arbeitsdienst einführen. Nur, wird hier nicht irgendwo der Wettbewerb verzerrt? Wenn man an der Vermittlungsfront steht, dann sieht man den Pferdefuß!

Nur Langzeitpraktika lohnen eine Investition durch den Praktikumsbetrieb. Eine enge Kooperation ist notwendig, ein Defizitkatalog zu erstellen und Einstellungszusagen sind abzugeben.

Das macht kein Betrieb? Von wegen. Ich selbst habe in einer Qualifizierungsmaßnahme, von der EU gefördert, von neunzehn Teilnehmern sieben in Lohn und Brot bringen können. Solches, obwohl der größte Teil weder Schreiben noch Lesen konnte. Bei weiteren sieben scheiterte das an den zugewiesenen Teilnehmern, die mit Schwerbeschädigungen von bis zu 90 % nicht vermittelbar waren. Allerdings gab es bei den restlichen fünfen zwei Fälle, die mir persönlich in das Gesicht gesagt haben: Wir erhalten von dem Jobcenter weit mehr als 2.000,00 Euro monatlich, wenn wir einer Arbeit nachgehen erhalten wir das niemals!

Darum: Praktika nicht in kurzer Form und in verschiedenen Betrieben, sondern in Langzeit und nach Möglichkeit in einer Firma. Dann macht das auch Sinn. Sonst wird das ein Schuss in eine etwas ältere Befeuerungsanlage, nämlich in den Ofen.
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2 Kommentare
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Inge Hannemann aus Altona | 11.04.2012 | 20:01  
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Albert Weisshaar aus Stellingen | 13.04.2012 | 13:44  
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