Politik mit Händen und Gesten

Anna Uschakowa, Kauffrau für Bürokommunikation, ist seit ihrer Geburt taub und seit kurzem Mitglied im Regionalausschuss Stellingen/Eidelstedt. (Foto: RS)

Anna Uschakowa ist taub – im Regionalausschuss will die Eidelstedterin trotzdem mitmischen

Reinhard Schwarz, Eidelstedt

Im Regionalausschuss Stellingen/Eidelstedt wird nun mit Händen und Gesten geredet. Anna Uschakowa ist von Geburt an taub, Gebärdendolmetscher übersetzen für die 26-Jährige die Debatten.

„Ich interessiere mich für alles, was im Stadtteil passiert“, übersetzt Cornelia Mertens, die auch Vorsitzende des Regionalausschusses ist. „Es sind aber so unglaublich viele Themen, das ist für mich erstmal etwas erschlagend“, sagt Anna Uschakowa. Sie verstehe zwar alles, was gesprochen wird, aber ist sich noch nicht ganz sicher, ob sie auch alles begreift. Uschakowa sitzt als zugewählte Bürgerin für die Eimsbütteler Grünen im Regionalausschuss.
Um den Debatten folgen zu können, hat sie – je nach Situation – ein bis zwei Gebärdendolmetscher an ihrer Seite. Die Übersetzer wechseln sich aufgrund der anstrengenden Verständigung mit Gesten, Hand- und Ellbogenbewegungen nach rund einer Stunde ab.
Anna Uschakowa arbeitet als Kauffrau für Bürokommunikation im Büro von „Die Brücke“, einer Einrichtung der Suchtprävention auf dem ehemaligen Gelände des Diakonie-Krankenhauses Alten Eichen in Stellingen. Ihre dreijährige Ausbildung konnte sie bereits nach zwei Jahren vorzeitig beenden – aufgrund sehr guter Noten. An der Arbeit kommuniziert sie viel über E-Mails, Faxe und den Handy-Service „Whats App“, der es ermöglicht, problemlos Kurznachrichten per Mobiltelefon zu übermitteln. Wenn es notwendig ist, wird ihr auch hier ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt.
Die Politik-Einsteigerin liest sehr viel, betreibt Yoga und trifft sich gern mit Freunden und Bekannten – Hörenden und Gehörlosen. Sehr oft fährt sie nach Schleswig, denn da ist Anna Uschakowa aufgewachsen. Sie schaut wenig Fernsehen, denn nur wenige Sendungen sind für Gehörlose untertitelt. Aber, lässt sie über ihre Dolmetscherin mitteilen und lächelt, so viel Privates wolle sie eigentlich doch nicht von sich preisgeben.
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