Konrad F. : "Nicht mit uns - in ein Billigstlohnnieveau reihen wir uns nicht ein!"

Billigjobs - aber nicht ohne Vermittlungsgutschein (Foto: Verlag: Was darf Satire, Internet, 2010)
Eiskalte Abzocke: Mit Vermittlungsgutscheinen in Billigjobs!

Auch unter Aspekten der Gewinnmaximierung, es gibt auch noch faire Unternehmen: "Nicht mit uns! In ein Billigstlohnniveau reihen wir uns nicht ein!", das sagt Konrad F., Geschäftsführer eines Sicherheitsunternehmens aus dem Kamerbalken in Hamburg-Stellingen. "Wir halten uns an Tarife, an die Gesetzgebungen für Zuschläge und an das Arbeitsrecht. Gute Leute wollen auch gut behandelt werden und zahlen das zurück. Unser Krankenstand ist niedrig, die Fluktuation ebenso. Natürlich weiß ich, dass das nicht überall der Fall ist!"

Es ist nicht zu glauben: Der Tariflohn im Wach- und Sicherheitsgewerbe beträgt eben einmal Euro 6,44 die Stunde. Die meisten Sicherheitsfirmen sind nicht im Arbeitgeberverband, damit dieser Lohn nicht zu bezahlen ist. Brutto kommt ein Arbeitnehmer bei sage und schreibe monatlich 240 Stunden (!) im Tariflohn auf Euro 1.545,60 brutto.

SV-Beiträge und Steuern abgezogen, verbleibt je nach Familienstand nicht so viel, dass das Einkommen die Höhe nach der SGB II – Regelung erreicht. Dann ist das Einkommen durch Leistungen nach SGB II aufzustocken oder andere öffentliche Hilfen, z.B. Wohngeld, sind fällig.

Rigoros wird dennoch die Agentur für Arbeit abgezockt. In einem Markt, in dem man auch ohne fremde Hilfe noch genügend Chancen auf einen Arbeitsplatz hat, werden per „Vermittlungsgutscheinen“ von Arge und von Arbeitsagentur äußerst zweifelhafte Engagements getätigt, und zwar durch „private Vermittler“. In vielen Fällen durch „Vermittlung“ an Firmen, die keinen Tariflohn bezahlen.

Dafür gibt es satte Prämien, bis zu Euro 2.500,00 pro vermitteltem „Arbeitsplatz“. Für 5 „Wachleute“, die das staatlich unsubventionierte Gehalt nicht erreichen, Euro 12.500,00, mal so nebenbei.

So geschehen durch eine Vermittlungsagentur, die direkt neben der Agentur für Arbeit in der Norderstraße sitzt. Diese sah die Anzeige einer Sicherheitsfirma und schaltete sich dazwischen. Es ist eine Schande, dass derartige Praktiken durch den Gesetzgeber gefördert werden.

Andererseits wird ein beruflicher Graumarkt geschaffen: Agenten als Subunternehmer auf diesem Markt beschäftigen „Mitarbeiter“ ohne Papiere, solches mit sehr gerissenen Methoden. Vermittlungsgutschein? Nicht vorhanden? Tagsüber SGB II, nachts Schwarzgeld. Natürlich in einem bescheidenen Rahmen. „Glaube mir, nachts um zwei in einem Industriegebiet hast du vor jedem Kontrolleur Ruhe“, so ein Insider, „da kommt keiner auf den Trichter, dich auch nur in irgendeiner Form zu kontrollieren. Schlafen kannst du tagsüber“. Also wird abgezockt, manchmal doppelt! Dafür sitzen solche „Agenturen“ im gleichen Haus wie die Agentur für Arbeit.

Betroffen sind die Arbeitnehmer, die systembedingt keine Chance haben und jede Kröte schlucken müssen. Zum Teil Euro 5,00 die Stunde.
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