Geflüchtete aus der Schnackenburgallee lernen Deutsch

  Hamburg: KOM gGmbH |

Stephanie Faust


Einstiegskurse für Menschen aus der Schnackenburgallee

Durch die zunehmende Menge von Geflüchteten, die 2015 Deutschland und damit auch Hamburg erreichten, kamen neue, anders finanzierte, früher ansetzende Kurse dazu in unserem Integrationskursträger KOM gGmbH, die sogenannten Einstiegskurse. Die Finanzierung übernahm ungewöhnlicherweise die Arbeitsagentur, die aus gut gefüllten Mitteltöpfen dieses frühe und sinnvolle Instrument ermöglichen konnte. Auch die Teilnahme war schnell vereinfacht worden: Während der „normale“ Integrationskurs eine Aufenthaltsgestattung, die normalerweise erst nach 6 Monaten erfolgt, erfordert, ist die Teilnahme an einem Einstiegskurs schon durch eine „Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender(BüMA)“ möglich. Das bedeutet, dass Geflüchtete sehr schnell einen derartigen Sprachkurs besuchen können. Vorbehalten sind diese Kurse Geflüchteten mit „guter Bleibeperspektive“, also Menschen aus Irak, Iran, Syrien und Eritrea. In 320 Stunden- durchschnittlich je nach Unterrichtszeiten 4 Monaten- lernen unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen in unterschiedlichen Kurstypen (alphabetisiert oder nicht-alphabetisiert) erste einfache deutsche Sätze und Satzstrukturen, die zur Alltagsbewältigung beitragen. Themen sind Kennenlernen, Familie, Tagesablauf, Wohnen, Einkaufen, Gesundheit, Arztbesuch, Kleidung, Jahreszeiten, Arbeit und Lernen, Kommunikation und Freizeit, Verkehr, Orientierung im städtischen Raum, Behörden, Anerkennung und Gesetze.
Die Medien sind die klassischen: Buch, CD, Gesprächsrunden, Tafeleinheiten.
Anschließen sollen sich Integrationskurse, die, nun wieder vom BAMF finanziert, 660 Stunden dauern und Sprachkurs und Orientierungskurs enthalten. Wegen des Ansturms auf die öffentliche Verwaltung entsteht gelegentlich eine zeitliche Lücke bis zu einem Übergang , die wir in Kooperation mit ehrenamtlichen Sprachbegleitern mit einem verlässlichen Gruppenangebot füllen. Daran anschließen wiederum kann sich eine kombinierte Sprach-/Berufsqualifizierung oder eine unterstützte Arbeitsaufnahme.
Für die geflüchteten Menschen, die sich integrieren wollen, bietet dieser schnelle Spracherwerb die Chance, sich am öffentlichen Leben beteiligen zu können. Während bei der ersten Fahrt zu uns dem Busfahrer noch Zettel mit Adressen gezeigt werden, wird das Selbstbewusstsein über Sprachbeherrschung rasch größer und der persönliche Radius wächst entsprechend. Unser KOM Förderzentrum „Fahrradwerkstatt“ liefert bei Interesse auch dieses Verkehrsmittel, das gerne genutzt wird.

Eine Beeinträchtigung ist die bürokratische Beanspruchung der Geflüchteten, was dazu führt, dass zeitweise Behördengänge den Unterrichtsbesuch unmöglich machen. Unumgänglich, macht aber die Teilnahme noch anspruchsvoller als sie ohnehin schon ist. Hier kommt die hohe Motivation zum Tragen, die unsere Teilnehmenden trotz ihrer Belastung mitbringen. „Zuhause“ in der Erstaufnahmeeinrichtung werden Lerngruppen gebildet, um das Versäumte nachzuholen.

Schließlich begleitet idealerweise derselbe Lehrer oder dieselbe Lehrerin die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach Ablauf des Einstiegskurses in den anschließenden Integrationskurs. Sprachkenntnisvertiefung und kulturelle Fertigkeiten sind hier das Thema. Konzentration und Konstanz sind gefragt. Wer jemals einen wöchentlich 2stündigen Fremdsprachenkurs besucht hat, kann sich eine vorsichtige Vorstellung davon machen, welche Leistung ein Spracherwerb in einer 5 -Tage-Unterrichtswoche darstellt!
Alle Teilnehmenden und wir als Bildungsträger sehen diese Kurse als Brücke in Arbeit oder Ausbildung, als Brücke in den bundesrepublikanischen Alltag, also als Brücke in die deutsche Gesellschaft.

Unsere Teilnehmenden lassen keinen Zweifel an ihrem Willen, tatkräftig und gut vorbereitet in das Leben bei uns einzusteigen und ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander zu leisten.


Wir wünschen uns sehr, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Ziele umzusetzen, um zeigen zu können, welche Bereicherung sie für unser Gemeinwesen darstellen.
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