Zahnloser Tiger

Teurer Hamburger Westen: die Studio der Schüler des Gymnasiums Ohmoors weist eine Nettomiete von mehr als 15 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietungen in Ottensen aus. Grafik: Gymnasium Ohmoor
Von Volker Stahl. Die vor einem Jahr in der Hansestadt eingeführte Mietpreisbremse erweise sich als zahnloser Tiger, kritisiert der Mieterverein zu Hamburg. Seit dem 1. Juli 2015 dürfen Vermieter für neu abgeschlossene Mietverträge maximal zehn Prozent mehr verlangen als ortsüblich. Der Mieterverein hat bei der Auswertung von Anzeigen auf dem Portal „Immonet“ festgestellt, dass 40 bis 50 Prozent der Eigentümer die gesetzliche Regelung dreist ignorieren. Das Problem: Sanktionen müssen die Abzocker nicht fürchten.
Zwar können die Mieter überhöhte Zahlungen durch eine Rüge rückerstattet bekommen, doch kaum einer wagt es, gegen seinen neuen Vermieter vorzugehen. „Eigentlich ist es im 21. Jahrhundert nicht nachzuvollziehen, dass Mieter Angst haben, ihr Recht einzufordern“, sagte Mietervereinschef Siegmund Chychla und nannte den Grund: „Wer es in Hamburg geschafft hat, eine Wohnung zu ergattern, ist so glücklich darüber, dass er auch finanzielle Nachteile in Kauf nimmt.“ Nach Schätzungen des Mietervereins gingen den Betroffenen deshalb jährlich 20 Millionen Euro durch die Lappen. In Hamburg werden pro Jahr etwa 50.000 Wohnungen neu vermietet.

Wahr ist auch, dass es ohne Mietpreisbremse noch schlimmer wäre

Aus der täglichen Beratungspraxis hat der Mieterverein einige Beispiele parat: In Ottensen wollte ein Eigentümer ordentlich Klasse machen und forderte statt der zulässigen 780 Euro für eine 81 Quadratmeter große Wohnung 1.135 Euro. Er hatte die 14 Euro pro Quadratmeter mit Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen begründet, die er nicht darlegen konnte. Obwohl sich der Mieterverein einschaltete, hielt er sein Begehren aufrecht. „Der hat satt zugelangt, da werden wir klagen“, kündigte Chychla an.
Der Mieterverein stellt zwar fest, dass es bei Nichteinführung der Mietpreisbremse zu „noch größeren Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt“ gekommen wäre, fordert dennoch Nachbesserungen: Der Senat müsse sich der Bundesratsinitiative für die Verschärfung der Mietpreisbremse anschließen. „Vermieter, die sich nicht an das Gesetz halten, müssen künftig mit Sanktionen belegt werden können“, so Chychla.

Mieten steigen stärker als zuletzt

Schlechte Nachrichten: Nach einer kurzen Verschnaufpause 2015 wieder rasant. In der Hansestadt binnen eines Jahres um 5,6 Prozent – bei einem gleichzeitigen Anstieg der allgemeinen Lebenshaltungskosten um lediglich 0,3 Prozent! Das ist das Ergebnis einer von Oberstufen-Schülern des Gymnasiums Ohmoor (Niendorf) erstellten Studie, die die aktuellen Angebotsmieten auf der Basis von 5.000 Anzeigen im „Hamburger Abendblatt“ und auf Immobilien-Portalen erfasst hat.
Die Zahlen sind brisant. Die erste Untersuchung nach Inkrafttreten der im gesamten Hamburger Stadtgebiet geltenden Mietpreisbremse hat ergeben, dass die aktuelle durchschnittliche Neuvertragsmiete für eine Wohnung in Hamburg 12,45 Euro pro Quadratmeter beträgt. Zum Vergleich: Der aktuelle Hamburger Mietenspiegel weist eine Durchschnittsmiete von 8,02 Euro pro Quadratmeter aus. „Die Studie der Schüler ist erfahrungsgemäß sehr zielgenau“, sagte Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, VS
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