Wie wichtig ist ein Haus der Jugend ?

Das Haus der Jugend Struenseestraße 2012.
Hamburg: Struenseestraße | Die Erinnerungen, die ich noch an das Haus der Jugend Struenseestraße habe, sind mit die schönsten aus meiner Jugendzeit. Ich habe dort viele wichtige Erfahrungen gemacht und bin dafür sehr dankbar. Das Haus der Jugend habe ich in einer Zeit erleben dürfen, wo es noch keine zeitfressende PCs, Laptops, Handys und 24 Stunden-TV-Programme im Fernsehen gab. Umso mehr war es wichtig, zu lernen, wie sich Zeit kreativ gestalten lässt, und genau dafür war solch eine Einrichtung mit ihren vielfältigen Angeboten sehr hilfreich.
Spätestens um 13.30 Uhr war die Schulzeit beendet, und nachmittags um 15 Uhr hatte man sich vor dem Haus der Jugend versammelt.
Nach der anstrengenden Schule sich in einer elternfreien Zone aufhalten zu können, war sehr erholsam.
Es wurde vieles dort angeboten, Disco, Sport, Filmvorführungen, Fotoclub, Gitarren-, Mal- und Bastelkurse, Hausaufgabenhilfe u. v. m. Es gab dort noch den Billard- und den Aufenthaltsraum, wo auch diverse Unterhaltungs- und Brettspiele gespielt werden konnten. In der Sommerzeit wurden Tagesausflüge für wenig Geld angeboten, und somit konnte jeder mitfahren. Die Tagesbetreuer waren auch klasse. Sie standen uns mit Rat und Tat zur Seite und verstanden es, sich in uns hineinzufühlen. Wir fühlten uns nicht beobachtet und kontrolliert, sie gehörten einfach zu „uns“.
Viel Taschengeld gab es nicht. Es war damals natürlich alles viel billiger als heute. Für ein paar Mark gab es zum Beispiel eine Cola, ein Negerkussbrötchen und das neueste Comicheft. Eine Jagd auf das „Neueste“, einen Modetrend, dem wir folgen mussten, gab es auch nicht. Wir trugen die Sachen auf, die die Eltern sich leisten konnten, und das war in Ordnung so. Neid und Konkurrenzkampf untereinander gab es kaum, wir teilten eher das, was wir hatten. Wir waren rundum mit uns ausgefüllt und beschäftigt.
Was wäre gewesen, wenn es solch ein Haus der Jugend in der Vergangenheit nicht gegeben hätte? Wir hätten als Jugendliche irgendeinen Platz oder irgendeine Straße als Treffpunkt benutzt und versucht, unsere wertvolle und einzige Jugendzeit dort sinnlos totzuschlagen. So ist es für mich unbegreiflich, gerade an solchen wertvollen Einrichtungen sparen zu wollen, indem man sie schließt. „Sparen an der Jugend, das rächt sich“, mit diesem Artikel im Elbe Wochenblatt 26 hat Christiane Handke-Schuller den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn die kostbarste Zeit ist doch die Jugend, sie ist die Säule unserer Zukunft. Wir brauchen Jugendliche, die in Gemeinschaft leben können, lebendig kommunizieren können, gestaltend und kreativ sein können, und mehr Einrichtungen, in denen sie Ideen und Anregungen bekommen, wie es sich gut miteinander leben lässt.
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