Vorgestellt: Ein echtes Original vom Fischmarkt

Er ist immer freundlich zu seinen Kunden und hat meist einen Scherz auf den Lippen.
 
Jürgen Berg, ein Bäckermeister, der gestern wie heute mit der Tradition verbunden ist.
Hamburg: Fischmarkt |

Jürgen Berg: "Ich könnte eigentlich im Wagen neben meinen Brötchen wohnen".

Jürgen Berg, ein Bäckermeister, der gestern wie heute mit der Tradition verbunden ist. Mit sechs Angestellten betreibt er in Berkenthin bei Oldesloe eine der wenigen „handwerklichen Bäckereien“, die es noch gibt. Eine Ladenfläche aber besitzt er nicht, sondern verkauft nur außerhalb, auf Wochenmärkten in Lübeck und Hamburg und, zum Glück für mich, auch hier auf dem Fischmarkt in Hamburg. „Ein echtes Zigeunerleben“, sagt er, „eigentlich könnte ich gleich im Wagen bleiben und neben meinen Brötchen wohnen.“

Auf dem Fischmarkt verkauft er seine Backwaren zu reellen Preisen seit 20 Jahren. Schon am frühen Morgen, im Morgengrauen, stehen die Fischmarktbesucher bei ihm Schlange. Was sie ihm nicht anmerken, ist, dass er schon seit 1 Uhr auf den Beinen ist und in der Backstube stand. Danach fährt Jürgen mit seiner frischen Ware von Oldesloe aus hierher, wo er seinen festen Platz hat. Wenn Schluss ist auf dem Fischmarkt, hat er schon einen vollen Arbeitstag hinter sich, doch Feierabend hat er noch lange nicht. „Aber meinen regelmäßigen Schlaf vergesse ich nicht, darauf pass ich auf. Pünktlich um 21 Uhr geht’s ins Bett.“
Um 3 Uhr, wenn er angekommen ist, werden die Klappen seines Verkaufswagens hochgeklappt und dann, so sagt er, “geit dat los“. Dann können Brot aus Natursauerteig, die besten Franzbrötchen und der leckerste Butterkuchen, neben anderen Backwaren, gekauft werden.

Jürgen, Baujahr 1940, ist einer von vier Söhnen. Drei von ihnen, Jürgen mit dabei, sind,
wie der Vater, Bäcker geworden. Eine Weile trieb es ihn aber ganz woanders hin, nämlich
auf See. Dort fuhr er 3 Jahre lang auf einem Schiff als Koch. Die Liebe brachte ihn wieder
an Land, und er übernahm eine Bäckerei. Als um ihn herum drei Supermärkte und eine Tankstelle eröffneten, in einem Einzugsgebiet von 1800 Einwohnern, spielte er die Kosten nicht mehr ein. „Es lohnte sich einfach nicht mehr, und so habe ich dann schweren Herzens meinen Laden geschlossen und bin fahrender Brötchenverkäufer geworden.“

Heute steht er auf dem Fischmarkt, bei Wind und Wetter, an Feiertagen wie an Weihnachts- oder Neujahrstagen, niemand kann Jürgen aufhalten, damit seine Kunden nicht ins Leere starren, wenn sie erwartungsvoll ihre Frühstücksleckereien erwarten. Er ist immer freundlich und hat meist einen Scherz auf den Lippen. „Wann willst du dich denn mal zur Ruhe setzen?“ frage ich ihn. „Am liebsten möchte ich bei der Arbeit umfallen, ich liebe meine Arbeit.“
Seine Angestellte sieht ihn mit großen Augen an und sagt zu mir: “Jürgen ist ewig jung, und, ganz ohne Klischee, er ist der Beste der Welt“.

Schließlich hätte ich gern noch sein Geheimrezept für seine leckeren Franzbrötchen aus ihm herausgelockt, aber da gab es eine klare Ansage: „Das weiß nur der liebe Gott und der Bäcker“. Franzbrötchen gab es für mich auch nicht mehr, denn das meiste seiner Backwaren war kurz vor Feierabend ausverkauft. Aber am nächsten Sonntag werde ich mir welche holen, zimtig, mit Zucker und schön weich, echte dicke Dinger, von Bäckermeister Jürgen, der einer der wenigen Originale auf dem Fischmarkt ist.
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