Von Hackfressen und Fratzengulasch

Bahrenfeld / St. Pauli. „Ihr Hackfressen – eine Reise nach Misanthropia“: Schon der Titel ihrer neuen Ausstellung ist nicht ganz ernst gemeint. Hackfressen und Fratzengulasch nennt die 33-jährige Künstlerin Sophia Lund aus St. Pauli ihre Skulpturen aus Holz, Pappe, Gips und Glanzfolie. Vernissage ist am Freitag, 18. Januar, um 19 Uhr im Ausstellungsraum 2025. Dort im Hof von „Tausend Töpfe“ an der Ruhrstraße 88 in Bahrenfeld hat Sophia Lund auch ihr Atelier.

Ausstellung thematisiert die Wut im Großstadtgewühl
Feierabendstress auf den Straßen und im Supermarkt, das ungewollte Dicht an Dicht im Bus und neue Architektur, die einen frieren machen kann – die Künstlerin zitiert in ihrer Installation und in Bleistiftzeichnungen – mit viel Humor – Situationen und Orte, die wohl jeder kennt. Ihre „Hackfressen“ bewegen sich in verkleinerten Straßenszenerien, die das Leiden im urbanen Gedränge, an entseelter Architektur und deformierten Mitmenschen thematisieren.
Erforschen will die Künstlerin damit die Misanthropie, Anlässe und Äußerungen vom Hass des Menschen auf den Menschen – „miese Laune im Gesicht, die körperliche Abweichung und das menschlich Unvollkommene, dass man nicht hineinpasst“. Mit Axt und Hammer hat sie das Phänomen auch in der Bearbeitung ihres Materials ausgelotet.
In ihrer Installation, in der sich der Betrachter auf Augenhöhe mit den Figuren bewegt, zitiert die freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin umstrittene neue Architektur wie die Elbphilharmonie in der Hafencity und die Tanzenden Türme auf der Reeperbahn. „Alles nur Fassade und teuer, aber ohne Leben. Dieser toten Architektur, in der man als Mensch nicht erwünscht ist, müssen Subkulturleben und Juze immer weichen“, kritisiert die 33-Jährige.
„Misanthropie ist die einfachste Art der Auseinandersetzung und die ultimativste“, stellt Daniel Chelminiak fest. Der Philologe und Performer hält bei der Vernissage einen Vortrag über die „Bibliothek Misanthropias“. Alle großen Denker des Abendlandes seien letztlich Misanthropen gewesen. Bei fast allen von ihnen spiele aber auch die Sorge um die Menschheit eine Rolle. „Im besten Fall hat Misanthropie immer eine humoristische Seite“, sagt der 34-jährige Wilhelmsburger. Texte von Stanislaw Lem und Thomas Bernhard trägt Schauspielerin und Künstlerin Iris Minich von der Ateliergemeinschaft 2025 vor.
„Ich freue mich, wenn Nachbarn aus dem Stadtteil ihre Zeit im Atelierhaus verbringen“, sagt Sophia Lund, die einen unterhaltsamen Abend verspricht.
Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Ausstellung anschließend noch am Sonnabend und Sonntag, 19./ 20. und 26./ 27. Januar, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

BU:
Künstlerin Sophia Lund und Performer Daniel Chelminiak erforschen das Phänomen Misanthropie. Das Ergebnis ist im Ausstellungsraum 2025 in Bahrenfeld zu erleben. Foto: Gemeinholzer
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