St. Pauli Süd, Heimstätte für Kreative oder der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!

Ondrej (mittig hinten) im Gespräch mit Besuchern der Ausstellung.
Eingerahmt von der Hamburger Hochstraße, Pinnasberg, Hein-Köllisch-Platz und dem Pepermölenbek finden schon seit Jahrzehnten kreative Köpfe wie: Kunstmaler, Bildhauer, Fotografen und Autoren ihre Heimstätten. Vor einem halben Jahr trieb es nun auch Ondrej (35) aus der Republik Tschechien nach St. Paul Süd. Wie sein Vater, hat Ondrej Architektur studiert und ist hauptberuflich als Architekt tätig. Wäre Ondrej ein Apfel, wäre er im Wortsinn nicht weit vom Stamm gefallen. Neben dem Beruf teilen Vater und Sohn auch die Lust an der Malerei, nur stilistisch trennen sich ihre Wege.

Während der Vater seine Erfüllung eher in der Exaktheit zu finden scheint, mag Ondrej es eher farbig, vielleicht auch mal unbestimmt: Pop-Art halt. Der Zufall wollte es, dass der Kunst-Imbiss des legendären Künstlerduos Katharina Kohl (ebenfalls in St. Pauli Süd daheim) und Detlef G. Reiss seine Pforten zur Saison 2015 auf dem Hein-Köllisch-Platz eröffnete, und dass das schöne Wetter Ondrej vor die Tür trieb. Es versteht sich, dass die rollende Galerie sein Interesse weckte. Anfangs blieb er etwas auf Distanz und schwirrte unsicher um den Kunst-Imbiss herum, aber dann wurde die Neugier übermächtig! Er stellte sich im gebrochenen, aber gut verständlichen Deutsch vor und erweis sich als sehr interessierter Gesprächspartner und sog Informationen zur Szene auf, wie ein Schwamm das Wasser. Auf die Frage, wo er Deutsch gelernt habe, antwortete er, schon in der Schule, und als waren ihm die Lücken peinlich, fügte er an, Englisch ginge etwas besser … Tschechisch sogar noch besser! Ein breites Lächeln rundet die unnötige Entschuldigung ab. Deutsch galt schon immer als schwer. Man denke an Marc Twain. Er beherrschte eine zweitstellige Zahl an Sprachen, darunter auch einige asiatische und arabische Dialekte. Am Deutsch drohte er zu verzweifeln. Unter anderem verstand er zeitlebens nicht, wieso Nase und Steckrübe weiblich sind, das Mädchen aber Neutrum ist.

Zumindest damit schien Ondrej, sich abgefunden zu haben. Vater und Sohn sind Macher. Kaum in Hamburg gelang es ihnen, ihre erste Ausstellung zu organisieren. Der Titel der Ausstellung dürfte dem Vater-Sohn-Verhältnis gerecht werden.

Vater-Sohn-und-Art
Zimmerpforte 8, Ecke Hansaplatz
20099 Hamburg - St. Georg
http://hansaplatz.de/ausstellung-vater-sohn-und-art/

Wer Ondrej gern persönlich zu seinem Schaffen befragen oder ihn einfach mal kennenlernen möchte, der hat noch bis zum 30: Juni die Gelegenheit dazu. Man trifft ihn Freitags von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr und Samstags von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr in der Galerie an. Es lohnt! Die ausgestellten Arbeiten können verzaubern und sind gleichzeitig Sinnbild für eine intakte Vater-Sohn-Beziehung. Dies und weil Kunst und Künstler unsere Fantasie mit neuem Leben versorgen können -, wenn man ihnen mit offenem Verstand begegnet. Wer sich nicht erinnert: Fantasie ist das, was uns als Kinder beseelte, während wir, zur Nachtruhe gebettet, Märchen vorgelesen bekamen; jene kraftvolle Vorstellungskraft, welche die passenden Bilder in unsere Köpfe zauberte, und die langsam aber stetig zum Opfer schnell lebiger Gesellschaften zu werden droht.
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