Retter der Wandrosetten

Scott präsentiert stolz einen von ihm restaurierten in Altona verbreiteten Rosettentyp.
 
Retter der Rosetten: Scott Feder und Ingo Mecker.
Hamburg: Königstraße | Ingo Mecker ist schon ein sehr besonderer Sammler und bildet heute mit seinen umfangreichen Kenntnissen einen Anlaufpunkt für andere, die seine Leidenschaft teilen: Es geht um die Wandrosetten, die früher zur Befestigung der Spanndrähte für die Oberleitung der Straßenbahn dienten. Als Hausbefestigungen waren sie kostengünstiger und sicherer gegenüber Masten, die den Straßenraum beanspruchten. Sie sind heute noch an diversen Altbauten zu finden.
Aber wie kommt es, dass jemand ausgerechnet seine ganze Aufmerksamkeit ausgedienten Wandrosetten schenkt?
Ingo Meckers Sammlerkollege und langjähriger Freund Scott Feder gab mir eine passende Antwort: „Die Wandrosetten sind heute die einzigen Zeugen, die noch an die Hamburger Straßenbahn erinnern. Die Fahrzeuge sind weg, die Schienen sind weg, und nur durch die Rosetten kann heute noch erkannt werden, wo einst die Straßenbahn gefahren ist.“
Schon 1968 hielt Ingo Mecker alles mit seinem Fotoapparat fest, was mit der Hamburger Straßenbahn zu tun hatte. Dabei entdeckte er für sich die Wandrosetten, die meistens in sechs bis sieben Metern Höhe an Hauswänden zu finden waren. Heute berichtet er stolz, dass sein erster Wandrosettenfund vom Eckhaus der ehemaligen Altrahlstedter Kleinbahn Grubesallee/Oldenfelder Str., heute im Kleinbahn-Museum Wohldorf ausgestellt ist.
Er erkannte auch, das es verschiedene Bauarten an Rosetten gab. “Die Schmuckformen stammten von unterschiedlichsten Künstlern und Herstellern für Eisen-Kunstguss, das Patent scheint aus Amerika zu stammen“, so Mecker.
Um die Vielfalt unterscheiden zu können, gab er den Rosetten Bezeichnungen, die Nomenklatur hat er erfunden. So war er in der Lage sie in einen Kataster einordnen zu können, zum Beispiel stellte er fest, dass die Rosettentypen 1A und 2A fast nur im Raume Altona/ Eimsbüttel vorkommen.
Mit viel Liebe und Geduld restauriert Mecker seine Schützlinge, die er nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen oder Besitzern unter anderem bei Abbrucharbeiten sicherstellen konnte.
Oft schaut er sich um, wo vier typisch angeordnete Schraubenbolzen in der entsprechenden Höhe aus Häuserwänden herausragen, um dort eventuell eine der sichergestellten Rosetten wieder anbringen zu können, was in einigen Fällen möglich war. Dazu wurde dem Besitzer des Hauses zur Anerkennung eine Urkunde übergeben.
Mehr als tatkräftig bei der Wiedermontage von Rosetten wird Mecker von Scott Feder unterstützt.
Scott Feder kam im Alter von fünf Jahren aus den USA nach Hamburg und verliebte sich nicht nur in die Straßenbahn (er selbst ist heute Busfahrer) sondern auch in die Stadt. Folgerichtig ist er nicht nur Mitglied bei den Verkehrsamateuren, sondern auch beim Verein Freunde der Denkmalpflege Hamburg. Er sorgte auch dafür, dass die fünf ehemaligen Fahrleitungsmasten der Zentralbahn in der Königstraße restauriert wurden. Mecker und Feder würden es sich wünschen, dass die Besitzer von Gebäuden, an denen sich noch Rosetten befinden, darauf achten, dass diese der Nachwelt erhalten bleiben.
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Michael Borkowski aus Altona | 02.09.2014 | 22:01  
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