„Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS- Vergangenheit umgingen“

  Hamburg: Kirchenstraße | Worum geht es?

Wie viele Institutionen hat sich auch die Evangelische Kirche längst kritisch mit ihrer Rolle im »Dritten Reich« befasst. Doch was geschah nach 1945? Was wurde aus den handelnden Personen, worüber schwieg man sich im Norden lange aus? In sechs Kapiteln erzählt die Ausstellung von der NS- und Nachkriegsvergangenheit der Evangelischen Kirche in Hamburg und Schleswig- Holstein. Die Wanderausstellung wurde von Landesbischof Gerhard Ulrich am 29. Januar 2016 in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi eröffnet und reist bis 2018 durch das Gebiet der Nordkirche. Vom 3. bis 16. Juni macht sie in St. Trinitatis Altona, Kirchenstraße 40, Station.

Wer steckt dahinter?

Die Ausstellung basiert auf der Forschungsarbeit von Dr. Stephan Linck, seit 2015 Studienleiter der Evangelischen Akademie. Konzipiert und realisiert wurde sie von Prof. Dr. Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié – Expertinnen, die in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren Ausstellungen zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« von sich reden machten.

Wie darf man sich das vor Ort konkret vorstellen?

Die Ausstellungstafeln hängen an Traversen, das sind Gerüste aus Metall; der dadurch erzeugte Eindruck einer Baustelle ist gewollt. Die Traversen werden in den Kirchenschiffen aufgestellt, damit die Ausstellung auch während der Gottesdienste sichtbar bleibt. Die Kirchenbesucher sollen die Verbindung vom Ort zu den in der Ausstellung gezeigten Fakten und Ereignissen herstellen können. Zu den Ausstellungsthemen gibt es im Eingangsbereich eine Audioinstallation mit Bibelzitaten. Antworten zu speziellen Fragen bieten QR-Codes, die zur Website der Ausstellung führen, ein Informationsheft sowie ein Büchertisch. In den Kirchenbänken kann man in Ruhe die Biografien der Protagonisten lesen. Am Büchertisch können Sie Abspielgeräte für ein Hörspiel ausleihen, das auf den Verhörprotokollen aus dem Nürnberger Prozeß gegen Ernst Szymanowski-Biberstein beruht.

Gibt es in St. Trinitatis Altona auch Programm?

Am 3. Juni um 18:30 Uhr wird Propst Thomas Drope die Ausstellung in St. Trinitatis eröffnen. Die Vorbereitungsgruppe des Kirchenkreises hat ein lokales Fenster erarbeitet, das Synodenpräses Helmut Stange vorstellen wird. Danach hält Dr. Stephan Linck einen Vortrag über die »Altonaer Judenkartei – wie die Kirche die Judenverfolgung unterstützte«. Sie werden auch einige Musikstücke hören und können sich danach am Büffet stärken.

Am Sonntag, den 5. Juni wird es nach dem Gottesdienst um 10 Uhr eine Führung durch die Ausstellung von Pastor i. R. Ulrich Hentschel geben, am Dienstag, den 7. Juni um 14:30 Uhr ein Erzählcafé mit vergessenen Kirchenliedern aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten mit KirchenKaffeeKlatsch. Am Mittwoch, den 8.Juni um 20 Uhr beschäftigt sich eine Veranstaltung von Pastor i. R. Ulrich Hentschel mit den »Zerstörungen des Jüdischen Friedhofs in Ottensen. Und was machten die Christen?«. Der Lila Kammerchor unter der Leitung von Gints Racenis wird am 11. Juni ab 19 Uhr ein Konzert mit geistlicher und weltlicher Musik des 20. Jahrhunderts u.a. aus dem Baltikum darbieten. Und am Sonntag, den 12. Juni wird die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche Pastorin Dietlind Jochims ab 10 Uhr im Gottesdienst sprechen.

Wie kam es überhaupt zu dieser Ausstellung?

1999 hatte die damalige Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche ihre Geschichte in der NS-Zeit mit dem Ausstellungsprojekt »Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933 - 1945« thematisiert. 2008 erteilte sie dem Historiker Dr. Stephan Linck den Auftrag, den Spuren der NS-Vergangenheit nicht nur in der Nachkriegszeit, sondern bis ins Jahr 1985 zu folgen. Die Pfingsten 2012 durch Fusion der evangelischen Landeskirchen Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns gegründete Nordkirche setzte den Forschungsauftrag fort. Ergebnisse der Forschungsarbeit sind die aktuelle Ausstellung sowie zwei Bücher: Der erste Band »Neue Anfänge?« über den Umgang der Landeskirchen Nordelbiens mit der NS-Vergangenheit und ihr Verhältnis zum Judentum in der Zeit von 1945 bis 1965 ist vor drei Jahren erschienen. Der zweite Band über die Jahre 1965 bis 1985 erschien im Februar 2016. Die Ausstellung »Neue Anfänge nach 1945?« präsentiert Erträge beider Bücher.

Wo erhalte ich weitere und aktuelle Informationen?

Unter www.nordkirche-nach45.de

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