Nach dem Krieg sangen sie in Wolldecken

Jubilare: Die Mitglieder des Heinrich-Schütz-Chores singen sich ihr eigenes Geburtstagsständchen. Foto: pr
Hamburg: Trinitatis |

Einer der ersten Nachkriegs-Chöre: Heinrich-Schütz-Chor feiert 70. Geburtstag, Konzert am 9. Oktober

Von Christopher von Savigny. Die Anfangsjahre waren hart und bisweilen eiskalt: Zu den Proben mussten die Mitglieder des frisch gegründeten Heinrich-Schütz-Chores (HSC) eigene Wolldecken mitbringen – ansonsten wäre das Singen in den unbeheizten Räumen wohl zur reinen Zitterpartie geworden. Als Eintrittsentgelt zu den ersten Konzerten dienten Kohlebriketts, mit denen der Zuhörerraum aufgeheizt wurde. „Singen, um die Menschen ein wenig aufzuheitern“, sagt die HSC-Vorsitzende Christel Krause. Viel Anlass zur Freude habe es ja in den Nachkriegsjahren nicht gegeben.
In diesen Tagen feiert der Chor – Gründungsjahr: 1946 – seinen 70. Geburtstag. Zum Jubiläum werden Werke von Mendelssohn und Brahms aufgeführt (siehe Ankündigung). 40 Sänger hat das Ensemble zurzeit, das einmal wöchentlich in der Josuagemeinde in der Daimlerstraße probt. Begonnen hatten die HSCler als Altonaer „Propsteichor“, der Konzerte und Gottesdienste im ganzen Kirchensprengel veranstaltete. Viele der neuen Sänger waren ehemalige Mitglieder der „Bach-Gemeinschaft Hamburg“, die sich zwischenzeitlich aufgelöst hatte. Hamburgs Kirchenlandschaft lag in Trümmern, auch von der Trinitatis- und von der Christianskirche standen nur noch die Grundmauern.

Seit 2014 steht der Chor auf eigenen Füßen


Nach dem Wiederaufbau 1952 kam der Chor erst zur Christianskirche und wechselte später an die Kreuzkirche am Hohenzollernring. Anfang der 1990er-Jahre übernahm Kirchenmusiker Christoph Joram die mittlerweile auf 17 Personen zusammengeschrumpfte Sängerschaft. Unter Jorams Regie stieg die Mitgliederzahl wieder auf 40, viele große Werke wie die Schöpfung von Haydn und der „Elias“ von Mendelssohn kamen zu Gehör.
Der Januar 2014 war ein Wendepunkt in der langjährigen HSC-Geschichte: Joram ging in Pension – und ein neuer Dirigent war weit und breit nicht in Sicht. „Wir mussten uns natürlich Gedanken machen, wie es weiterging“, berichtet Krause. Die Lösung war eine Vereinsgründung: Seit knapp drei Jahren steht der Heinrich-Schütz-Chor jetzt auf eigenen Füßen. Die Finanzierung läuft über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Hanno Schiefner ist seit Herbst 2015 als neuer Chorleiter im Amt.


Konzert

Zu seinem Geburtstag bringt der Heinrich-Schütz-Chor am Sonntag, 9. Oktober, zwei Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy („Lobgesang“) und Johannes Brahms („Schicksalslied“) zu Gehör. Mit von der Partie: Miki Sawai (Sopran), Pia Carlotta Hansen (Sopran), Dustin Drosdziok (Tenor) und die Hamburger Camerata. Veranstaltungsort ist die Trinitatiskirche Altona, Kirchenstraße 40. Tickets kosten zwischen zehn und 20 Euro. Beginn ist um 17 Uhr. Ab 16 Uhr gibt es eine thematische Einführung. CVS
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