Leben mit Hartz 4 - Vernissage zur Ausstellung "Let's Take A Number" in Altona

Wann? 22.10.2011 12:00 Uhr

Wo? Kunst-nah, Große Bergstraße 160, 22767 Hamburg DE
die Tischplatte von Barbara Guttmann
 
Denn ich bin ohne Arbeit von Martina Meier
Hamburg: Kunst-nah | Let's Take A Number – Vernissage zur Ausstellung „Leben mit Hartz 4“ in der Galerie KUNST-NAH

Die Kunstbar KUNST-NAH lud am 07. Oktober 2011 zur Vernissage zur Ausstellung „Leben mit Hartz 4“ ein. Die Eröffnung fand in den Galerieräumen von KUNST-NAH in der Großen Bergstraße 160 in Altona statt. Sie stellt künstlerische Werke von Künstlerinnen da, die sich innerhalb ihres 1€ Jobs Gedanken zu ihrer Arbeitslosigkeit gemacht haben. Künstlerische Arbeiten, welche in Form einer Reflektion ihre Zwangslage der Arbeitslosigkeit darstellt. Marlies Strehlow von Koala e.V. sowie Elisabeth Richnow von KOM gGmbH eröffneten mit ihren Reden über die allgemeine Geschäftigkeit eines arbeitenden Menschen und die Entstehung des Projektes, die Ausstellung.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

KUNST-NAH und Walldesign als gemeinnützige Träger haben als Basis die Betreuung, Beratung und die Kunst für Arbeit suchende Menschen. Künstlerisch und handwerklich begabte Menschen finden innerhalb dieser Projekte Unterstützung, das nötige Know-how und fachliche Vorbereitungen durch geschulte Mitarbeiter.

Walldesign der KOM gGMBH

„Hamburgs Wände bunter machen!“ lautet das Motto der KOM gGmbh und hat als Ziel die Gestaltung von Wänden in öffentlichen Räumen. Dazu zählt das kreative Gestalten von Großwänden innerhalb Hamburgs. Auftraggeber sind unter anderem Schulen, Vereine und Stiftungen. Dazu Frau E. Richnow als Projektleiterin: „Sie wollen malen“ und „sie wollen die Mangelsituationen darstellen“.

Galerie, Cafè, Bistro und Kulturetage KUNST-NAH

Die Räume von KUNST-NAH bestehen aus einem Café und Bistro, aus dem man über eine Treppe in die Galerieräume gelangt. Diese sind innerhalb der Kulturetage im ersten Stock der Großen Bergstraße 160 untergebracht. Sie werden vom gemeinnützigen Träger Koala e.V. aus Hamburg-Altona betrieben. Zurzeit sind dort 18 Aktive beschäftigt und organisieren laufende Kunstausstellungen, die Umsetzung von grafischen Aufträgen und das Bistro.

„Let's Take A Number“ - Leben mit Hartz 4

Im Rahmen dieser Arbeitsgelegenheit initiierte die Künstlerin Martina Meier das Malen von Gedanken über die Arbeitslosigkeit und deren Folgen. Folgen in Form von Zwängen, welche die Arbeitslosigkeit mit sich bringt. Genau dieses stellt sich in ihren auf Leinwänden gemalten Bildern da. Hoffnungslosigkeit, der Versuch neue Wege zu gehen, das Ausprobieren und das Spüren erneut an eine Grenze zu gelangen, werden plastisch präsentiert. Grenzen vonseiten der gesellschaftlichen Erwartungen, Grenzen vonseiten behördlicher Zwänge und Zwänge trotz großem Willen nicht an das persönliche Ziel zu gelangen. Martina Meier schaffte mit großer künstlerischer Begabung, genau dieses in ihren Werken auszudrücken. Gefühle, ihre Emotionen sind in den Gestalten einer Biene, in grafischen Bildern und schriftlichen Notizen erkennbar. „Das Leben mit Hartz 4“ ist beengend und erschreckend. Es macht Angst und die eigene Geschäftigkeit, wie von Marlies Strehlow (Koala e.V.) in ihrer Eröffnungsrede plastisch dargestellt, präsentiert das Gegenteil. Eine Geschäftigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, welche oftmals die persönliche Freiheit, Entspannung für die eigene Freizeit keinen Raum mehr lässt. Eine Geschäftigkeit, die zum Ziel führt, das sich die tatsächliche vorhandene Erwerbstätigkeit reduziert. Und hier knüpft die Künstlerin Barbara Guttmann an. Mit Acryl-Technik auf Spanplatte reproduziert sie die Enge der Arbeitslosigkeit. Mit ihrem Werk „eingesperrt“ stellt sie einen Menschen da, welcher versucht, sich in drei unterschiedlichsten Bewegungsabläufen sich in einem engen Raum zu bewegen. Eine Flucht ist nicht möglich. „die Tischplatte“, ein Bild in der Größe eines groß gewachsenen Menschen zeigt Gesichter, welche durch Schreie und Verzerrungen die Zwangslage demonstriert. Die Schreie nach einer Lösung und einer Veränderung sind förmlich zu „hören“. Insbesondere sind sie zu spüren.

Beide Künstlerinnen zeigen in vielfältiger Form ihr künstlerisches Können und ihre Perfektion zur Darstellung.
Aussagen über das Leben mit Hartz 4 finden sich auf Verkehrsschilder, welche sich auf 180 qm Galeriefläche verteilen. Hemden und T-Shirts, aufgehängt auf einer Wäscheleine mit Aussagen zum Thema symbolisiert „das letzte Hemd“. Eindrucksvoll präsentiert von Ruth Kraus.
Und in einem überdimensionalen Kochbuch „Die Welt kocht hoch“ zeigen Werke unterschiedlichster Künstler.

Die Ausstellung hat ihre Aufgabe, Antworten auf die Fragen, wie es sich mit Hartz 4 lebt, die Empfindungen als Arbeitsloser in der Gesellschaft, Erfahrungen und Auswirkungen des Bezuges von Hartz 4 Geld im persönlichen Leben vollständig und eindrucksvoll erfüllt. Mögen auch noch häufig negative gesellschaftliche Meinungen über Hartz 4 Bezieher fallen. Die Ausstellung zeigt die Ängste, Hoffnungslosigkeit und das Wollen von Betroffenen aus.

Die Ausstellung kann jeweils von Dienstag bis Samstag von 12.00 Uhr bis 19.00 Uhr in der Großen Bergstraße 160 im ersten Stock in 22767 Hamburg-Altona besichtigt werden. Neben wechselnden Ausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen und Diskussionsrunden bietet KUNST-NAH einen Jedermann Mal-Workshops (Dienstag und Donnerstag) zu einem Beitrag von 2 Euro an. Informationen dazu finden sich unter der Internetpräsenz www.kunst-nah.de oder unter Große Bergstraße 189, 22767 Hamburg-Altona, 22 63 27 14.
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