Eine friedliche Oase für friedliche Demonstranten

Pastor Torsten Morche vor einem Zelt der Demonstranten.
 
Demonstranten übernachteten in Zelten auf dem Gelände der Hauptkirche St.Trinitatis Altona.
Hamburg: Kirchenstraße | G20: Demonstranten übernachteten in Zelten auf dem Gelände der Hauptkirche St.Trinitatis Altona.

Wie ist es dazu gekommen?

Seit dem 1. Juli amtiert Pastor Torsten Morche in der Hauptkirche St.Trinitatis. Er löste Pastor Fehrs ab, der in Sülldorf-Iserbrook gebraucht wird. Gleich am Anfang seines Dienstes in der Hauptkirche stand Pastor Morche vor einem Problem, das es so in Altona noch nicht gegeben hatte.

Pastor Morche erzählt: “Gegen 17 Uhr kamen am letzten Mittwoch eine Handvoll Aktivisten und fragten höflich nach, ob es möglich wäre, auf dem Kirchengelände zelten zu dürfen. Man habe gehört, dass Kirchen ihr Gelände zur Verfügung stellten. Ich sagte ihnen, dass Zelten grundsätzlich nicht im Sinne unserer Gemeinde sei aber der Gemeinderat und ich seien uns einig, dass, wenn ihr hier eure Zelte aufstellt, wir nichts tun werden, um das zu unterbinden. Dies barg für mich ein hohes Risiko, denn die Gefahr bestand natürlich, wenn wir so viele Menschen auf unser Gelände lassen, dass auch Dinge passieren, die wir nicht gutheißen können. Das habe ich gleich zu Anfang gesagt, die Kirche darf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn unsere Kirche angegriffen wird, dann muss ich die Staatsmacht holen, mit der Bitte, uns zu schützen. Das wurde als selbstverständlich akzeptiert.

Es dauerte nicht lange, da wurde aus dem Grüngelände um die Kirche, das für ca. 250-300 Zelte Platz bot, eine Art Campingplatz. Die Organisation der Aktivisten war bewundernswert, für WCs, Waschgelegenheiten, Kochplatz und sogar ein Lazarett für eventuelle Verletzte war gesorgt. Zwei Beamte der Mörkenwache kamen vorbei, um zu fragen, ob wir das Zelten duldeten. Ich sagte ihnen, dass alles so in Ordnung sei. Ich musste noch meinen Ausweis vorzeigen und sie sind dann wieder gegangen. Eigentlich war ich darauf eingestellt, dass nun irgendwie argumentiert würde. Die Polizisten waren aber völlig friedlich und wollten nur informiert werden, ob ich Kenntnis davon hätte, ob ich das duldete.“

„Mittlerweile habe ich ja sehr viel Kontakt mit den Menschen gehabt, die auf dem Platz sind. Es sind alles ganz freundliche, ruhige, nette und gut organisierte Zeitgenossen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie irgendwie aggressiv wären oder uns Böses wollten. Die jungen Menschen waren mir gegenüber offen und ganz entspannt . Damit ich für die Leute deutlich als Pastor in meiner Gemeinde erkennbar bin, habe ich mich priesterlich gekleidet. Ich freue mich, dass ich dies so erleben durfte. "

„Sie übernachteten in Ihrem Büro, zwischen Kisten die noch nicht ausgepackt sind, und dann haben Sie da plötzlich so viele neue Nachbarn, die in Ihrer Nähe zelten. Wie war für Sie die erste Nacht?“, fragte ich Pastor Morche

"Die Nacht in meinem Büro war schon etwas gewöhnungsbedürftig. Um 1 Uhr hatte ich mich hingelegt, um 1:30Uhr bin ich dann eingeschlafen, wurde dann aber um 5:30Uhr wieder wach. So etwas vor der Haustür hat man ja schließlich nicht jeden Tag. Um 11 Uhr kam dann meine Frau, brachte mir Schlafsack und Zahnbürste, was man eben so braucht. Für mich war es aber wichtig, hier vor Ort zu sein, um auch Hilfe anzubieten, wenn sie gefordert wird. Aber die Situation wird ja nicht für ewig sein, wenn der G20 Gipfel vorbei ist, dann kehrt auch wieder Normalität in Altona ein. “
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Michael Borkowski aus Altona | 11.07.2017 | 15:36  
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