Ein ungewöhnlicher Spielplatz (Jüdischer Friedhof, Königstraße)

Günther Döring (78). Er ist ein echter Altonaer und weiß über die Stadt Altona sehr viel zu erzählen.
Hamburg: Königstraße | Eine Geschichte die ich auf Wunsch von Herr Günther Döring (78) erhalten habe. Er ist ein echter Altonaer und weiß über die Stadt Altona sehr viel zu erzählen:

Friedhöfe sind Stätten der Ruhe und der Besinnung. In besonderen Fällen können sie aber auch dazu beitragen, eine verblasste Erinnerung wieder ins Leben zurückzurufen und damit gegenwärtig und nahezu lebendig zu machen. Mir ist es so ergangen,als ich vor den beeindruckenden Fotos der Ausstellung "Altona im Wandel der Zeit" stand, die am 9. September in der Hauptkirche St. Trinitatis Altona eröffnet wurde.

Wenn man eine solche Ausstellung besucht, dann erwartet man natürlich unter den ausgestellten Fotos viele "alte Bekannte" zu treffen, vielleicht auch, die eine oder andere Straße einmal aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten, oder etwa an einer Hauswand Besonderheiten zu entdecken, die einem immer wieder entgangen sind, weil man im täglichen Leben an dem betreffenden Gebäude einfach nur vorbeigehastet ist.

Ich jedenfalls entdeckte auf einer Luftaufnahme des Jüdischen Friedhofs in einer Ecke zwischen der Blücher-und der Louise Schroeder Straße einen größeren kreisförmigen Fleck, der gar nicht so recht in das Bild dieser Nachkriegsaufnahme passte, Und dann war sie plötzlich wieder da, die Erinnerung an den großen, mit Regenwasser aufgefüllten Bombentrichter, in dem wir 1945/46 unsere primitiven, aus Trümmerholz gebastelten Holzschiffchen schwimmen ließen, stets mit der mütterlichen Mahnung im Nacken, doch bloß dieser nassen Kuhle fernzubleiben. Aber wir blieben bei diesem unseren privaten Wasserbecken und ich denke, die Seelen der Verstorbenen werden es uns sicher verziehen haben.

Heute,wo der Friedhof schon seit langer Zeit wieder allein seiner alten Bestimmung dient, ist auf einer neueren Luftaufnahme an gleicher Stelle die Lage unserer kindlichen Aktivitäten mit einiger Mühe noch am etwas auffälligeren Bewuchs zu erkennen.

In einer Zeit, in der Kinderspielzeug möglichst hochtechnisiert sein muss, wird sich der eine oder andere ältere Betrachter der Fotos vielleicht noch an die Zeit zurückerinnern, in der man sich noch davon erfreuen konnte, ein grob zurechtgeschnitztes und mit einem alten Taschentuch als Segel ausgestattetes Stück Holz in einem Relikt des Krieges auf "große Fahrt" zu schicken.

Günther Döring
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