Die Suche nach Kontakten

Zigaretten, Tabak und Zeitschriften - der Fantasia Kiosk
Hamburg: Fantasia | 10 Grad Lufttemperatur, Feuchtigkeit in der Luft, Nebel und drei Bierflaschen. Drei Biere und drei Menschen. Gegenüber: Fantasia - ein Kiosk, gefüllt mit Tabakwaren, Zeitungen, Zeitschriften und kaltgestelltes Bier im Kühlschrank. „Fantasia“ - ein Treffpunkt in der Großen Bergstrasse 158, Altona-Altstadt.
„Dann trifft man sich um ein Uhr hier, trinkt man ein Bierchen, sabbelt ein bisschen, klönt“, plaudert Karl Friedrich los. Friedrich, eingemummelt in seiner grauen gesteppten Winterjacke und mit dem Bier in der Hand auf seinem weinroten Rollator sitzend. Friedrich ist, nach Jahrzehnte langer Arbeit, Rentner. Cornelia Helga, seine Lebensgefährtin (45) ist ebenfalls Rentnerin. „Besser als den ganzen Tag zu Hause sitzen und beim Fernsehen schauen blöd werden“, kommentiert Friedrich weiter. Die Kälte stört sie nicht. Sie suchen Geselligkeit und finden sie unter Gleichgesinnten. „Wir alle sind hier Rentner, ob das Frank ist oder Harald“, sagt Friedrich. Helga sitzt auf der metallenen Rondellbank. Diese Bänke schmücken die Bäume seit einem Jahr in der Großen Bergstrasse. Wolfgang steht rechts davon und schleicht sich nochmals in den Kiosk von Ali Yasan und quatscht mit einem Kollegen.
Man kennt sich. „Die Leute sind treu, sitzen da, essen und trinken“.„Sie sind anständig und machen keinen Ärger“, sagt Ali Yasan. Yasan ist der Besitzer des Kiosks. Routiniert greift er blind nach Zigaretten, Tabak und Filter. Ein Warensortiment, welches innerhalb von zehn Minuten viermal den Besitzer wechselt. Man kennt sich. Man kennt sich so gut, dass Yasan die Post für seine Stammkunden annimmt. Sei es reguläre Post, welche sonst aus den eigenen Briefkästen geklaut wird oder sei es Persönliches, welche die Stammkunden untereinander weitergeben. CDs, DVDs und Nachrichtenzettel als stille Post. Es ist ein alltägliches Bild.
Und ein Bild, was nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. Schreiben an den Kioskbesitzer Yasan von den Eigentümern des neuen Forums fordern einen Abstand vom Kiosk und den Stammgästen. Von der Bildfläche verschwunden sind die Stühle und die alte Metallkiste als Tischablage. Der zugige Wind in der Großen Bergstrasse treibt die Geselligen zum Vorplatz des Eingangs in das Neue Forum. „Dort zieht es nicht so“, meint Friedrich. Allerdings ist auch dieses nicht die Vorstellung des Eigentümers und schreibt weiter Briefe an Yasan. Seine Stammkunden nehmen darauf Rücksicht, sitzen um den Baum und finden auf diesem Weg ihre sozialen Kontakte.
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