Berühmt, ganz ohne Jaguar

Andi Schmidt an der Bar des Molotow. Foto: K.P. Flügel
Hamburg: Molotow |

Molotow-Betreiber Andi Schmidt: „Als Club-Veranstalter kannst du nicht reich werden“ – ein Porträt

Von K.P. Flügel. Das ursprünglich am Spielbudenplatz ansässige Molotow ist seit 1990 Sprungbrett vieler später bekannt gewordener Bands. Mehrfach mit Club Awards ausgezeichnet, und seit der Räumung der Essohäuser im Dezember 2013 am anderen Ende der Reeperbahn, Ecke Nobistor.
„Im Molotow steht die Musik im Vordergrund“, sagt Andi Schmidt, der seit 1994 den Musikclub als Inhaber betreibt. Was zeichnet das Konzept dieser Veranstaltungs-Location aus? „Ich schätze es sehr, dass wir hier Bands am Anfang ihrer Karriere sehen und hören können.“ Immer wieder seien Bands zuerst im Molotow aufgetreten, um ein Jahr später auf großen Bühnen zu spielen. Das liege eindeutig daran, dass sie im Molotow alle Musik-Enthusiasten seien und nicht das nehmen würden, was Musik-Agenturen wollten. Angesprochen auf seinen persönlichen Musikgeschmack verrät Andi Schmidt: „Rock and Roll, Garage und Punk.“

Maximo Park und The Hives traten im Molotow auf


So liest sich das Auftrittsverzeichnis wie ein „Who’s Who“ alternativer Rockkultur: The Hives, Gossip, The White Stripes, Maximo Park, Die Toten Hosen, Mumford & Suns, Wir sind Helden oder Jan Delay mit der Sam Ragga Band.
Reich ist Andi Schmidt aber nicht geworden. „Die Krise hast Du in einem Laden unserer Größe konstant. Seit 25 Jahren arbeite ich daran, den Club über Wasser zu halten. Als Club-Veranstalter kannst Du mit Livemusik nicht reich werden und den Jaguar vorbestellen. Würden wir es wegen des Geldes machen, würden wir ein anderes Publikum ansprechen und auch Partymusik spielen.“
Der neuen Umgebung gewinnt Andi Schmidt durchaus Positives ab: „Hier ist es noch so, wie der ganze Kiez früher war, mit der typischen Mischung aus Kneipen, normalen Discos und Läden sowie Rotlicht.“
Wann es wieder zurückgehe an den alten Standort? „Ich weiß ja noch nicht einmal, wann Baubeginn sein wird.“ Klar sei nur, dass es länger dauern werde als geplant. Solange wolle r am jetzigen Ort bleiben.

Molotow

Mehr über die Geschichte des Molotow ist in der opulent gestalteten Bildchronik „Molotow Reeperbahn Hamburg“ zu erfahren, die von Sebastian Meissner herausgegeben und im Junius Verlag erschienen ist.
ISBN 978-3885067344
22,90 Euro
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