Streit um Kunst im Ratssaal

Der Kunstkreis Schenefeld kann ab nächstem Jahr den Ratssaal der Stadt Schenefeld prinzipiell nur noch während der Ferien nutzen. Das bedauern Ingrid Ullrich (l.), langjährige Erste, jetzt Zweite Vorsitzende des Kunstkreises, Michael Behrens, Zweiter Vorsitzender, und Schriftführerin Gerda Freytag-Permien. Foto: da
Schenefeld: Rathaus Schenefeld |

Im Rathaus muss der Kunstkreis Schenefeld künftig während der Ferien ausstellen – Suche nach Alternativen

René Dan, Schenefeld
Die Angst vor „kultureller Verarmung“ Schenefelds auf der einen Seite, „Entsetzen“ in der Politik über die Kritik der Künstler andererseits: Neue Regeln für Ausstellungen des Kunstkreises Schenefeld erregen die Gemüter. Der Kunstkreis kann ab nächstem Jahr prinzipiell nur noch während der Schulferien den Ratssaal der Stadt Schenefeld nutzen, hat die Verwaltungsspitze der Stadt entschieden.
Der Grund liegt vor allem in der stärkeren Beteiligung von Bürgern an Ausschusssitzungen: Die sonst alternativ genutzten Räume des Rathauses drohen unter dem Andrang der Bürger überzuquellen. Somit muss der Kunstverein kürzer treten. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, beschreibt Ingrid Ullrich, bis vor Kurzem Erste Vorsitzende des Vereins, die Reaktion des Vorstands auf die angekündigte Neuregelung. Der Ratssaal sei aufgrund seiner Lichtverhältnisse besonders gut für Ausstellungen geeignet. Sie fügt hinzu: „Wir sind sehr enttäuscht.“ Allerdings räumt Michael Behrens, Zweiter Vorsitzender, ein: Für die neuen Ausstellungszeiten „gibt es objektive Gründe – leider“.
Tatsächlich präsentiert der rund 200 Mitglieder starke Verein immer häufiger Ausstellungen mit Kunstobjekten. „Die können nicht so schnell beiseite geschoben werden, wenn gleichzeitig eine große Veranstaltung stattfindet“, sagt Bürgermeisterin Christiane Küchenhof.
Vier mal im Jahr stellt der Kunstkreis im Ratssaal „zu Premiumzeiten“ aus, so die Bürgermeisterin. Hierfür brauchen die ehrenamtlichen Organisatoren jeweils 21 Tage: Eine Woche Vorbereitung und zwei Wochen Ausstellung.
Wenn der Kunstkreis in 2013 – dem Jahr seines 40. Geburtstags – den Ratssaal nur noch in Ferienzeiten mit seinen anspruchsvollen Ausstellungen nutzen kann, fallen zwei Zeiträume weg: „Die Sommer- und die Winterferien“, sagt Behrens – viele Kunstinteressierte und Ver-einsmitglieder sind dann verhindert, die Kunst zu würdigen.
Kulturausschussvorsitzender Dr. Rainer Sempell (CDU) kritisiert derweil Ullrich: „Ich bin entsetzt über dieses Anspruchsdenken. Seit Jahren hat sie es abgelehnt, über Alternativen nachzudenken.“ Ullrich kontert: „Darauf wurden wir bis vor Kurzem nie konkret angesprochen.“
Jetzt sind auch Ausstellungen im Stadtzentrum Schenefeld im Gespräch. Küchenhof versöhnlich: „Ich bin sicher, dass wir zu einer Lösung kommen werden.“
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