„Ständige Belästigungen“ oder „ab und zu Fehler“?

Karsten Lorenzen hatte immer wieder Streit mit der Wohnungsbaugenossenschaft GeWoGe und Teilen der Nachbarschaft. Erst kam es zu Abmahnungen, dann zu Kündigungen und schließlich zum Vergleich vor Gericht: Bis zum 30. September muss der arbeitslose Hartz-IV-Empfänger seine rund 56 Quadratmeter große Wohnung verlassen. Karsten Lorenzen betont: „Ich will Frieden mit den Nachbarn.“ Er hofft auf eine zweite Chance. Foto: da
 
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Auch über die sogenannte „Schraubsonette“, die die Wasserzufuhr regelt, sind sich Karsten Lorenzen und die GeWoGe nicht einig. Laut dem Mieter hat sich die Drehvorrichtung, als er sie nutzen wollte, von selbst gelöst. Die GeWoGe sieht jedoch mutwillige Zerstörung. Die Wannfüllbaterie wurde repariert – und ist mittlerweile wieder defekt. „Die Reparatur war Pfusch“, kritisiert Karsten Lorenzen, er sei dafür nicht verantwortlich. Foto: da
Schenefeld: Rudolf-Kinau-Weg |

Wohungsbaugenossenschaft GeWoGe kündigt alkoholkrankem Hartz-IV-Empfänger

Es steht Aussage gegen Aussagen: Karsten Lorenzen, seit Dezember 2005 Mieter am Rudolf-Kinau-Weg, hat es sich mit einigen seiner Nachbarn wie auch mit seinem Vermieter, der „Neue“ GeWoGe-Wohnungsbaugenossenschaft, gründlich verdorben. Im Zentrum der Kritik: Beschwerden über Lärmbelästigungen. Karsten Lorenzen räumt ein, dass einige der Vorwürfe zutreffen, er gibt aber zu bedenken: „Ab und zu Fehler zu machen, rechtfertigt keine Kündigung.“ Gegen die ist er mit seinem Anwalt vor Gericht gezogen – der Termin endete mit einem Vergleich: Nur noch bis zum 30. September darf der alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger in seiner Wohnung bleiben, danach muss er sie geräumt haben.
Der arbeitslose Kfz-Mechaniker hat bislang keine neue Unterkunft gefunden. Eindringlich hat ihn sein Rechtsanwalt davor gewarnt, sich im schmucken weißen Mietshaus wieder auffällig zu benehmen. Daran hält sich der HSV-Fan nach eigenen Angaben, gibt aber zu: „Einmal bin ich rückfällig geworden und habe tagsüber eine Viertelstunde lang laut Musik gehört – aber ansonsten verhalte ich mich ruhig.“
Laut GeWoGe und einiger Nachbarn war dies früher anders. Lärmprotokolle wurden angefertigt, und die Wohnungsbaugenossenschaft hielt ihm daraufhin in einem Schreiben „ständige Belästigungen“ vor – zum Beispiel wegen lauter Musik, Fernsehgedröhne oder Streits mit seinen Besuchern. „Die Vorwürfe sind zum Teil erlogen“, kontert der 36-Jährige.
Karsten Lorenzen bestreitet auch, Nachbarn bedroht zu haben. Eigentlich habe er mit vielen Nachbarn ein gutes Verhältnis. Im Haus selber folge er jetzt dem Prinzip: „Ich will Frieden mit den Nachbarn.“
Bislang konnte Karsten Lorenzen nicht viele in seinem Haus überzeugen. So sagt eine Mieterin: „Wir wünschen ihm, dass er eine kleine Wohnung findet und dort seinen Frieden hat.“ Das wünscht sich auch Karsten Lorenzen, gerne würde er in eine andere Schenefelder Wohnung der Genossenschaft einziehen. Und so appelliert er an die GeWoGe: „Ich
bitte um eine zweite Chance.“

Das sagen die GeWoGe und der Mieterverein
Das Elbe Wochenblatt hat die „Neue“ GeWoGe um eine Stellungnahme zu Karsten Lorenzens Kritik gebeten – wie auch zu seiner Bitte um eine zweite Chance. Das Wochenblatt bekam per E-Mail folgende Antwort von Sandra Schorr, Leiterin der Vermietungsabteilung bei der GeWoGe: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hinsichtlich Ihrer Fragen zu unserem Mieter Herrn Karsten Lorenzen keine Stellung nehmen können. Am 8. Dezember 2011 haben wir vor dem Amtsgericht Pinneberg mit dem anwaltlich vertretenen Herrn Lorenzen einen Vergleich mit einer Räumungsfrist bis zum 30.09.2012 geschlossen. Zum weiteren Inhalt des Verfahrens und des Vergleichs wurde Vertraulichkeit vereinbart, an die wir uns halten müssen und werden.“
Siegmund Chychla, Vize-Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, betont derweil: „Jeder verdient eine zweite Chance.“ Bei Mietern wie Karsten Lorenzen könnte diese die Form eines Vergleiches haben, der eine zweijährige Probezeit beinhaltet: „Für zwei Jahre verzichtet der Vermieter darauf, eine Räumung zu vollstrecken, wenn sich der Mieter nichts zu Schulden kommen lässt“, so der Experte. Im Erfolgsfall verfällt das Räumungsurteil nach zwei Jahren. „In Hamburg haben solche Regelungen oft zu einem vertragskonformen Verhalten der Mieter geführt“, erläutert Siegmund Chychla. da
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