Nach sieben Jahren und viel Streit: Zwangsräumung

Schenefeld: Zwangsräumung |

Schenefelder Hartz IV-Empfänger will sich jetzt entgiften – und hofft auf Neuanfang

Michaela Conrad,
Schenefeld
Karsten Lorenzen räumt ein: „Ich bin überfordert mit meinem Leben und mit der ganzen Situation.“ Fast ein Jahr lang hatte der Schenefelder Zeit, seine Wohnung im Rudolf-Kinau-Weg zu räumen, nun kam es zur Zwangsräumung.
Der 37-jährige bewohnte die 56 Quadratmeter große Wohnung der Wohnungsbaugenossenschaft „Neue GeWoGe“ seit sieben Jahren. „Früher war alles in Ordnung, aber seit einige neue Nachbarn eingezogen sind, gab es immer wieder Ärger“, berichtet der HSV-Fan. Es kam zu Streitereien, weil sich Nachbarn vor allem durch laute Musik, die er hörte, belästigt fühlten. Zudem kam es zu Anzeigen, weil Karsten Lorenzen sich zu Auseinandersetzungen hatte hinreißen lassen.
„Ich bin Alkoholiker“, erklärt der Hartz IV-Empfänger, der vor Jahren in seinem Beruf als Lkw-Mechaniker bei der PVG gearbeitet hatte. Inzwischen hat er eine Betreuerin, die sich jedoch im Urlaub befand, als das zwölfköpfige Aufgebot erschien, um die Wohnung zu räumen.
Gerichtsvollzieher Jühring vom Amtsgericht Pinneberg hatte Vertreter der Wohnungsbaugenossenschaft Neue GeWoGe, Möbelpacker, eine Behördenvertreterin sowie die Polizei mitgebracht, als er am Mittwochmorgen um 9 Uhr klingelte.
Karsten Lorenzen flehte fast, dass bitte nichts kaputt geht von seinem Hab und Gut. Einige Möbel können auf den Sperrmüll, der Rest wird für zwei Monate eingelagert. „Ein Kubikmeter
kostet sieben Euro im Monat“, erklärte der Spediteur.
Sozialarbeiterin Elisabeth Strobl überbrachte Karsten Lorenzen eine Einweisung in eine Notunterkunft, die er sofort beziehen kann. Er wollte aber eine Nacht bei einem Freund in Pinneberg verbringen, um sich am folgenden Tag in einer Altkoholentgiftungs-Klinik einzufinden. „Ich war nach einem Klinikaufenthalt schon mal vier Jahre tro-cken“, sagt er hoffnungsfroh.
Der anwesende technische Leiter der Neue GeWoGe, Stefan Schmidt, erklärt, dass er nicht genau wisse, warum Karsten Lorenzen aus der Wohnung muss: „Ich wohne hier nur der Räumung bei, weil die zuständige Kollegin im Urlaub ist.“ Auch andere Mitarbeiter verwiesen auf die im Urlaub befindliche Kollegin.
Nun hofft Karsten Lorenzen nach der Alkoholentgiftung auf einen Neuanfang.
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