Makler sein ist nicht schwer, Kunde sein dagegen sehr

Auf der Suche nach einem Eigenheim kam ich in den letzten Monaten mit verschiedenen Maklern in Kontakt. Bisher nahm ich an, dass diese stets motiviert sind, das ihnen anvertraute Objekt schnell an einen Käufer zu bringen. Im Großen und Ganzen war das auch so, bis auf eine Ausnahme. Lesen Sie selbst.

Nach langer Suche fand ich im Internet ein Haus, das mir gut gefiel. Ich forderte ein Exposé bei einem großen und bekannten Maklerbüro an. Dieses fand ich relativ zügig am nächsten Tag in meinem E-Mail-Postfach. Mir gefiel das Haus immer noch und ich unterbreitete dem Makler via E-Mail einen Vorschlag für einen Besichtigungstermin am kommenden Wochenende mit dem Zusatz, dass ein Termin in der Woche für mich nicht möglich ist. Er antwortete nicht mehr ganz so zügig, dass er am Samstag voll verplant wäre und wie es am Montag aussehen würde. Nun gut, vielleicht hat er überlesen, dass ich in der Woche keine Zeit habe, so schrieb ich nett zurück, dass Montag nicht geht, wie es denn am kommenden Sonntag aussieht. Seine Antwort lies erneut ein wenig auf sich warten und er schrieb „Sonntag ist der 3. Advent und der einzig freie Tag in der Woche“. Das war eine Ansage. Ich bekam ein schlechtes Gewissen. War es zuviel verlangt, den armen Makler an einem Advents-Sonntag zu stören? Mir schwebte das Bild eines wohligen Wohnzimmers vor Augen. Im Kamin knistert das Holz, die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen und auf dem Sofa sitzt eingekuschelt unter einer Decke der Makler. Er lässt sich Marzipankugeln und Lebkuchen schmecken, während sanfte Weihnachtslieder erklingen. Vor Schreck über das plötzliche Bewusstsein meiner Dreistigkeit schaltete ich den Computer aus. Aber Moment. Ich dachte an das Haus, das jemanden gehört, der es verkaufen möchte und es dem Makler überlassen hat, dies zu tun. Dafür bekommt er nicht wenig, 6,25 % Maklercourtage sind drin. Ich finde, dafür kann er durchaus für eine Stunde das traute Heim verlassen und nach Rückkehr die dritte Kerze anzünden. Ich schaltete den Computer wieder ein und schrieb ihm großzügig zurück, dass ich Sonntag zu jeder Tageszeit bereit wäre, mir das Haus anzusehen. Er schrieb zügig zurück, ignorierte meinen wohlwollenden Sonntags-Vorschlag und verfiel in sein altes Schema, mir einen Termin in der Woche, wieder am Montag, dieses Mal eine Stunde früher, vorzuschlagen. Will der mich veräppeln? Leicht genervt schrieb ich zurück und verwies auf meinen „Ich habe nur am Wochenende Zeit-Passus“.

Inzwischen ist bereits die vierte Kerze erloschen, die Lebkuchen genascht, der Weihnachtsbaum reif für den Abfall und der Makler untergetaucht. Ich vermute, jedes Wochenende im Jahr ist bei ihm ein Advents-Wochenende. Da bleibt natürlich keine Zeit für aufdringliche Kundschaft. Ich für meinen Teil werde ihn jedenfalls nicht mehr stören und keines seiner angebotenen Objekte mehr zu besichtigen wünschen. Entschuldigen Sie, lieber Makler, dass ich Sie um einen Sonntags-Termin bat. Es wird nicht wieder vorkommen.
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