Lebenshilfe: „Wir sind nicht im Tal der Tränen“

Die Gärtnerei der Lebenshilfe hat ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet, der Betrieb aber geht weiter. Foto: cn
Schenefeld: Lebenshilfewerk Schenefeld |

Lebenshilfe-Verein mit einer Million Euro Verlust – Gärtnerei zahlungsunfähig

C. Neumann/R. Dan, Schenefeld
Zu der wenigen Gewissheiten des Vereins Lebenshilfe Schenefeld gehört die desolate Finanzlage: Seine Bilanz weist zum Jahresabschluss 2011 einen Verlust von rund einer Million Euro auf. Der Hauptgrund dafür liegt in der jahrelangen finanziellen Unterstützung des Lebenshilfewerks, das die Gärtnerei mit Keramikwerkstatt betreibt. Noch 2011 flossen fast 600.000 Euro in das Lebenshilfewerk, eine gemeinnützige GmbH – jetzt hat sie Insolvenz angemeldet. Die massive finanzielle Unterstützung für das Lebenshilfewerk, so die neue Vereinsvorsitzende Christine Heins rückblickend, sei nur erfolgt, „weil die Mitarbeiter und die Betreuten daran hängen“.
Fehlende Bilanzen aus den Jahren 2009 und 2010 führten zu wenig Transparenz der Finanzlage. „Ich war damals krankgeschrieben, deshalb waren die Finanzen nicht auf dem neuesten Stand“, erklärt Hans-Jacob Goßler, der damalige Geschäftsführer der gemeinnützigen Lebenshilfe GmbH, und schüttelt den Kopf über die dramatische Entwick-lung. Seine Mitgliedschaft im Verein Lebenshilfe endet am 31. Dezember 2012.
Die Lebenshilfe Schenefeld braucht eine neue Satzung. Darin sind sich alle einig. Zwei Entwürfe stehen zur Debatte. Der gegenwärtige Vorstand schlägt vor, einen hauptamtlichen Vorstand einzustellen, der ein Gehalt von der Lebenshilfe bezieht und der der Mitgliederversammlung Rechenschaft ablegt.
Elternvertreter Wolfram Kusche betont dagegen: „Ehrenamt heißt nicht, ahnungslos zu sein.“ Er will prinzipiell, so sein Satzungsentwurf, die Lebenshilfe wie bisher ehrenamtlich führen. Über einen erneuten Satzungsvorschlag soll nun ein neunköpfiges Gremium beraten. Dem will auch Werner Schönau, der Mitglied im entlasteten „alten“ Vorstand war, angehören. Bis zum 1. April 2013 soll ein Satzungvorschlag vorliegen.
Der neue Vorstand wird auch entscheiden, inwieweit Christine Heins’ weitere Vorschläge umgesetzt werden – darunter enge Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Pinneberg, der Verzicht der Mitarbeiter auf ein Drittel des Weihnachtsgeldes in den nächsten drei Jahren sowie der Verkauf von vier Immobilien.
Roman Husmann von der Keramikwerkstatt zur Insolvenz: „Wir sind nicht im tiefen Tal der Tränen, sondern gespannt, wie es weitergeht.“

Adventsausstellung
Der Gartenmarkt der Lebenshilfe lädt für Sonnabend und Sonntag, 24. und 25. November, von 10 bis 16 Uhr zur Adventsausstellung in die Blankeneser Chaussee 138 ein.
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