Wie geht’s dem Gottesstaat?

Wann? 24.10.2017 19:00 Uhr

Wo? Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg DE
Der Iran
 
Der Flyer zur Veranstaltung
Hamburg: Universität Hamburg |

Der Sprecher der iranischen Grünen referiert an der Universität Hamburg.

Die Islamische Republik Iran ist weltpolitisch auf dem Vormarsch. Im Libanon sichert die schiitische Hisbollah-Miliz seit geraumer Zeit die iranische Einflusssphäre, im syrischen Bürgerkrieg stellen die vom Iran kontrollierten Milizen die stärksten Verbündeten des Assad-Regimes, ohne die jenes wohl nicht überdauert hätte, und auch beim jetzigen Vormarsch der irakischen Armee auf Irakisch-Kurdistan sind vom Iran unterstützte Milizen mit dabei. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Revolutionsgarden, die sich dem Export der Islamischen Revolution verpflichtet fühlen. Eine dauerhafte Präsenz jener Revolutionsgarden in Syrien wäre eine Gefahr und Provokation gegen Israel, dessen Vernichtung für die Islamische Republik eine Art Staatsräson darstellt. Seit diesem Jahr steht am Palästina-Platz in Teheran eine Uhr, die die Tage bis zum Jahr 2040 zählt. Dann sollen die Tage Israels gezählt sein. US-Präsident Trumps Absicht, den 2015 ausgehandelten Atomdeal platzen zu lassen, lässt den Westen uneinig erscheinen. Die europäischen Staaten zeigen sich nicht gewillt, sich die gerade erst wieder angelaufenen Geschäfte mit dem Iran vermiesen zu lassen.

Viel weniger ist aber über den inneren Zustand der Islamischen Republik zu hören. Nach der Niederschlagung der Protestwelle von 2009 ist die Aussicht auf einen fundamentalen Wandel gering. Der in diesem Jahr wiedergewählte Staatspräsident Rouhani gilt gemeinhin als Reformer, wesentliche Reformen hat er aber noch keine auf den Weg gebracht. So bleibt der Iran eine Theokratie, ein Land in dem etliches verboten ist, was anderswo zum Alltag gehört, ob es nun um das Feiern einer Party, das Führen einer nicht-ehelichen Liebesbeziehung, das Bekenntnis zum Atheismus oder um das Halten eines Hundes geht. Was nicht bedeutet, dass es in diesem widersprüchlichen Land keine Partys, Liebesaffären, Atheisten oder Hunde gäbe. Aber die Sittenpolizei oder einer der diversen Geheimdienste kann dem Treiben jederzeit ein Ende machen. Kritik an der Regierung wird als „Verbrechen gegen Gott“ geahndet. Nirgendwo sonst werden, gemessen an der Zahl der Bevölkerung, so viele Menschen hingerichtet. Es erscheint nur nachvollziehbar, dass diese Zustände nicht gerade zur allgemeinen Zufriedenheit führen. Politische Oppositionsparteien oder nicht-islamische Religionsgemeinschaften existieren im Untergrund. Der 2016 erschienene Dokumentarfilm „Raving Iran“ zeigt die illegale Techno-Szene im Land und die Flucht der beiden DJs Blade & Beard. Unter dem Hashtag #whitewednesdays posten Frauen Bilder und Videos, wie sie in der Öffentlichkeit gegen das Kopftuchgebot verstoßen.

Hamburg hat eine besondere Beziehung zum Iran. Die Hansestadt ist, nach London, zweitgrößtes Zentrum der iranischen Diaspora in Europa. Schon zu Kaisers Zeiten pflegten Hamburger Kaufleute wirtschaftliche Beziehungen mit dem damaligen Persien, in der Nachkriegszeit ließen sich persische Teppichhändler in der Speicherstadt nieder. In der Folge der Islamischen Revolution kamen viele Iraner als Flüchtlinge nach Hamburg, dementsprechend sind die meisten Angehörigen der iranischen Community Gegner des theokratischen Regimes. Doch auch die Islamische Republik ist hier vertreten. Das umstrittene „Islamische Zentrum Hamburg“ an der Alster untersteht direkt dem obersten Ajatollah und Revolutionsführer Ali Chamene’i. Von daher ist es nicht überraschend, dass die Mitglieder des Zentrums zu den Organisatoren des jährlichen Al-Quds-Tages in Berlin gehören. An diesem Tag, dem letzten Freitag im Ramadan, ruft das Regime weltweit dazu auf, für die Vernichtung Israels zu demonstrieren.

Um über den Stand der politischen Entwicklungen im Iran zu diskutieren, hat der Landesarbeitskreis Shalom der Linksjugend ['solid] für Dienstag, den 24. Oktober Dr. Kazem Moussavi eingeladen. Er ist Sprecher der „Green Party of Iran“. Die Partei wurde 1998 im amerikanischen Exil gegründet und versteht sich als politische Organisation grün-alternativer Ausrichtung. Außerdem ist der in Berlin lebende Moussavi Herausgeber des Blogs „Iranian Appeasement Monitor“ und Mitglied des Bündnisses „Stop the Bomb“.

Die Veranstaltung findet im Magdalene-Schoch-Hörsaal (ESA J) im Hauptgebäude der Uni Hamburg (Edmund-Siemers-Allee 1) statt.
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