Randnotizen in Nazi-Büchern brachten den Tod

Zwei Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Dr. Max und Martha Münden. (Foto: pa)
Hamburg: Grindel |

In der Grindelallee 153 erinnern Stolpersteine an das Ehepaar Münden

Von Jan Paulo, Grindel – Am 5. März 1936 wurde Dr. Max Münden verhaftet. An seinem langjährigen Wohnort im Grindelviertel erinnern zwei Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an sein Schicksal und das seiner Frau Martha, geborene Gräfenberg.
Der Hamburger war 1931 mit 56 Jahren der Jüdischen Gemeinde beigetreten. Doch das war nicht der Grund für seine Verhaftung. Vielmehr warf man ihm vor, „vorsätzlich unwahre Behauptungen tatsächlicher Art öffentlich aufgestellt zu haben, die geeignet sind, das Wohl des Reiches und das Ansehen der Reichsregierung und der N.S.D.A.P. schwer zu schädigen“, wie es in der späteren Urteilsbegründung hieß. Was war passiert?
Der Frauenarzt hatte sich in der Commerz-Bibliothek nationalsozialistische Bücher ausgeliehen und handschriftlich mit zahlreichen kritischen Randnotizen versehen. Unter anderem diagnostizierte er bei Adolf Hitler eine Paranoia und zur Überlegenheit des Deutschtums bemerkte er: „Die ganze 'christliche' arische Kultur ist jüdisch.“ An anderer Stelle stellte er fast resigniert fest: „Es ist im Rahmen von Anmerkungen unmöglich, den Unsinn des Nachfolgenden gebührend zu beleuchten.“
Die Randbemerkungen wurden natürlich bald entdeckt, und am 16. April 1936 verurteilte ihn ein mit Propagandadelikten befasstes Sondergericht des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu zwei Jahren Gefängnis. Schon am 24. September desselben Jahres starb Max Münden im Bergedorfer Gerichtsgefängnis, offiziell an einem Herzschlag, was sich heute nicht mehr nachprüfen lässt.
Seine Witwe Martha Münden, die aus dem Ort Adelebsen bei Göttingen stammte, zog ein knappes Jahr später in die Eppendorfer Landstraße, wo auch ihre Schwester Gertrud Seidl, geborene Gräfenberg, wohnte. Von dort wurde sie am 6. Dezember 1941 mit 65 Jahren ins Getto von Riga deportiert. Wann genau sie dort verstarb, ist nicht bekannt.

Rund 250 „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig erinnern allein im Stadtteil Eimsbüttel an Opfer des Naziregimes. Direkt vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Naziopfer sind zehn mal zehn Zentimeter breite Messingplatten mit deren Namen auf Betonsteinen in den Gehweg eingelassen. Das Elbe Wochenblatt stellt in loser Folge die Schicksale der Opfer vor. Weitere Informationen zu den Stolpersteinen gibt es unter www.stolpersteine-hamburg.de
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