Jüdische Gemeindebibliothek: Rettung für wertvolle Bücher

Fast 300 Jahre alt: Der Band „Sefär Michtaw Elijahu“, gedruckt bei Johann Rohiz, Hamburg 1715, gehört zu den Schätzen der Jüdischen Gemeindebibliothek. (Foto: pr)
Hamburg: Staatsbibliothek |

Knapp 10.000 Bände lagern in der Staatsbibliothek – sie sollen der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung stehen

Sie haben eine Odyssee hinter sich, die ältesten Exemplare stammen aus dem 17. Jahrhundert! Tausende Bände der alten Jüdischen Gemeindebibliothek schlummern seit Jahren in den Magazinen der Staats- und Universitätsbibliothek (Stabi) am Grindel. Nun sollen sie restauriert werden.
„Wir sind überglücklich, dass unsere wertvolle Bibliothek nunmehr die öffentliche Wertschätzung erfährt, die ihr schon lange gebührt“, so Ulrich Lohse, Mitglied des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Etwa 10.000 Bände umfasst die Sammlung, darunter sind laut Stabi-Experten etwa 6.000 besonders bedeutende Bücher auf Hebräisch. Zum Teil sind die Bücher in einem sehr schlechten Zustand. Knapp 7.000 Bände sind leicht, etwa 1.000 Bände mittel, 236 Bände schwer beschädigt, darunter die ältesten Werke aus dem 17. Jahrhundert.
Die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde wurde 1909 in der Bieberstraße eingerichtet und umfasste 1930 etwa 17.000 Bände. 1939 wurden die Bücher von der Gestapo beschlagnahmt und nach Berlin ins Reichssicherheitshauptamt gebracht. Die Stabi beanspruchte die Sammlung 1942 als Hamburgensie und ließ sie in ein Ausweichlager bei Dresden bringen. 1957 wurden die Bücher aus der DDR zurück nach Hamburg geholt.
„Wir wollen dieses für Hamburg so bedeutende Kulturgut der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Bände müssen restauriert, katalogisiert und erschlossen werden, damit sie wieder von allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt benutzt werden können“, sagt Bibliotheksdirektorin Gabriele Beger.
Die Restaurierung wird schätzungsweise mehrere 100.000 Euro kosten. Sind die Bücher im Stabi-Katalog erfasst, können sie in den Lesesälen der Stabi eingesehen werden. Bis es so weit ist, wird es noch eine Weile dauern. Die Jüdische Gemeinde und die Stabi sind auf der Suche nach Sponsoren und Unterstützern.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.