Feuer im Schröderstift: Haus Elf ist unbewohnbar

Rauchschwaden und Flammen steigen über dem Schröderstift auf: Das denkmalgeschütze Ensemble in der Nähe des Geomatikums brannte am Montag teilweise aus. (Foto: JOTO)
Hamburg: Schröderstift |

Brand am Schlump: Mieter kamen größtenteils mit dem Schrecken davon

Verkohlte Holzteile, rußgeschwärzte Fassade, geborstene Fensterscheiben. Im Dachstuhl klafft ein großes Loch. Spuren des Feuers am historischen Schröderstift. Acht Wohnungen, das komplette Haus Elf, sind seit Montag unbewohnbar. Gegen 5 Uhr morgens ging der Alarm ein: Feuer in dem denkmalgeschützten Ensemble nahe der U-Bahn-Station Schlump. Eine Wohnung im ersten Stock brannte bald lichterloh, das Treppenhaus stand in Flammen, das Feuer fraß sich vor bis ins Dachgeschoss des Nachbargebäudes.

Mieter kamen bei Nachbarn unter

Mit mehreren Löschfahrzeugen, bis zu 90 Mann und viel Wasser rückten die Einsatzkräfte dem Feuer zu Leibe. Am Vormittag war der Brand unter Kontrolle. Da aber immer wieder Flammen aufloderten, blieben bis Montagabend Feuerwehrleute vor Ort, um notfalls schnell wieder löschen zu können.
Die Schröderstift-Bewohner kamen größtenteils mit einem Schrecken davon. Alle konnten sich aus dem Haus retten, ein Mieter flüchtete sogar über das Dach. Der Bewohner, in dessen Räumen das Feuer ausbrach, musste wegen einer Rauchgasvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Eine Feuerwehrfrau verletzte sich ebenfalls leicht bei dem Einsatz.
„Zum Glück ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen, das ist das Allerwichtigs-te“, sagt Nieke Erbsleben, Vorstand der Mieterselbstverwaltung Schröderstift. Alle Mieter, die vorübergehend nicht mehr in ihre Wohnung können, kamen bei Nachbarn im Schröderstift unter, wurden mit Kleidung und dem Nötigsten versorgt.

Mauern sind wohl okay, drinnen ist alles kaputt

Wie hoch der Schaden an dem Gebäude ist, war am Montag noch nicht abzusehen. Die Ermittler der Polizei konnten den ausgebrannten Teil des Hauses noch nicht betreten. Zur Ursache des Brandes gab es daher bis Redaktionsschluss noch keine Aussage.
Einer ersten Einschätzung nach kann das Haus aber offenbar wieder aufgebaut werden. Die Grundmauern seien wohl in Ordnung, es stehe kein kompletter Neuaufbau an, so Erbsleben. Ein kleiner Lichtblick: Handwerksgesellen, die im Schröderstift eine Wohnung haben, werden vermutlich beim Wiederaufbau mit anpacken.

Schröderstift


Das Schröderstift ist eine denkmalgeschützte dreiflügelige Wohnanlage mit einer prächtigen kleinen Kapelle in der Mitte des Ensembles. Das 1852 erbaute Gebäude diente damals als Unterkunft für gehobene Schichten oder für alleinstehende Frauen. Gestiftet wurde die Anlage von dem Hamburger Kaufmann und Bankier Johann Heinrich Schröder. Anfang der 1970er Jahre übernahm die Stadt das Grundstück. Die alten Gebäude sollten abgerissen werden, um dort die Universität zu erweitern. Die Mieteriniative Schröderstift kämpfte dagegen und setzte schließlich den Erhalt der Anlage durch. Es wurde ein Nutzungsvertrag bis 2016 abgeschlossen, die Bewohner haben die Häuser Stück für Stück saniert. In der Anlage wohnen etwa 100 Menschen. Die Bewohnerschaft lädt jährlich zu einem Metalfestival und einem Stiftsfest ein. In der Kapelle sind zwei christlich-koptische Gemeinden zu Hause.
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