Armenschule, Reformschule – von den Nazis verboten

Die Talmud Tora Schule 1911: Das große Gebäude im Grindelhof 30 konnte nur 31 Jahre seines Bestehens als Schule genutzt werden. Nebenan stand die Synagoge am Bornplatz, die 1938 zerstört wurde. (Foto: Jüdische Gemeinde)
Hamburg: Talmud-Tora-Schule |

Die bewegte Geschichte der Talmud-Tora-Schule

Von Anne Rose, Grindel

Das markante Gebäude der Talmud-Tora-Schule im Grindelhof 30 ist mehr als 100 Jahre alt, konnte aber nur 31 Jahre seines Bestehens als Schule genutzt werden. Erst seit 2007 ist mit der Joseph-Carlebach-Schule dort wieder eine jüdische Schule zu Hause.
Die Geschichte der Schule beginnt bereits im Jahr 1805, als in der Elbstraße 122 die „Israelitische Armenschule Talmud Tora“ gegründet wurde. Während zu Beginn nur religiöser Unterricht stattfand, wurde die Schule ab 1822 durch die Einführung weltlicher Fächer reformiert. Alle Schichten der jüdischen Gemeinschaft lernten hier zusammen. 1870 wurde die Talmud-Tora-Schule zu einer Realschule, der soziale Gedanke blieb. 1911 zog die Schule in den Neubau im Grindelhof 30. Im Rahmen der Reformschulbewegung etablierte der spätere Oberrabbiner Joseph Carlebach ab 1921 neue pädagogische Ansätze, etwa die gezielte Vorbereitung auf das Berufsleben. 1932 folgte die Anerkennung als Oberrealschule.

1939: Umzug in das Karolinenviertel


Die glücklichen Jahre endeten bald darauf mit der nationalsozialistischen Machtergreifung. 1939, nach der Zusammenlegung mit der jüdischen Mädchenschule, wurden alle Schüler in der Karolinenstraße 89 unterrichtet. Das Schulgebäude am Grindelhof ging in den Besitz der Stadt über. Kurz darauf verlor die Talmud-Tora-Schule auch ihren Namen. Sie musste sich zunächst „Volks- und Oberschule für Juden“ nennen, dann „Jüdische Schule in Hamburg“. Trotz Krieg und Deportationen gelang es in den Folgejahren, den Schulalltag aufrechtzuerhalten, bis am 30. Juni 1942 alle jüdischen Schulen in Deutschland geschlossen wurden. Hunderte von Schülern und viele Lehrer der Talmud-Tora-Schule wurden in der NS-Zeit deportiert und ermordet.
Über die Nutzung des Gebäudes der Talmud-Tora-Schule nach dem Krieg ist wenig bekannt. Zunächst wurde es von den englischen Besatzern als Offiziersklub genutzt, bis 1968 wurden dann Teile der Universität hier untergebracht. Am 30. Juni 2004 wurde das Haus von der Stadt an die Stiftung Jüdisches Leben übergeben und bis 2007 saniert. Heute nutzen die Joseph-Carlebach-Schule und Einrichtungen der orthodoxen jüdischen Gemeinde das Haus gemeinsam.
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