Vom Spitzenmanager zum Angeklagten

(Foto: pr)

Prozessbeginn im Amtsgericht: Jurist muss sich wegen Betrugs und Untreue verantworten

Reinhard Schwarz, Blankenese

Der ehemalige Rechtsanwalt Michael G. (59) musste sich vor dem Amtsgericht Blankenese wegen Betrugs, Untreue und Missbrauch von Berufsbezeichnungen verantworten. Ein sozialer Absturz für den im grau-schwarzen Anzug mit hellblau gestreifter Krawatte seriös und souverän auftretenden früheren Spitzenmanager.

Um im Jahr 2010 einen Kredit in Höhe von 20.000 Euro zum Ausbau einer Rechtsanwaltskanzlei zu bekommen, gab der Jurist an, Haus- und Grundbesitz im Wert von 980.000 Euro als Sicherheit vorweisen zu können. Doch die Immobilien existierten nur auf dem Papier. G. erhielt das Darlehen, obwohl er laut Staatsanwaltschaft wusste, dass er es nicht zurückzahlen konnte, weil gegen ihn bereits die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bevorstand. Ironie des Schicksals: G. ist selbst Experte in Insolvenzrecht.
Weiterhin soll G. Mandantengelder in Höhe von 60.000 Euro veruntreut haben. Die Summen seien treuhänderisch auf sein Konto geflossen, aber nicht an die Mandanten weitergeleitet worden. Darüber hinaus habe sich der Angeklagte 2013 als Rechtsanwalt ausgegeben, obwohl ihm die Hanseatische Rechtsanwaltskammer im Dezember 2012 die Zulassung entzogen hatte.
Zudem habe er auf Sylt ein Appartement angemietet, konnte aber weder die vereinbarte Kaution noch die Miete zahlen. „Sie haben ein Loch zu stopfen versucht, indem sie ein anderes aufrissen“, sagt die Staatsanwältin über die damalige Situation des Angeklagten.
Dabei kann der 59-Jährige auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken: 1981 juristisches Staatsexamen, ab 1989 leitende Positionen in Unternehmen wie General Electric oder bei einer VW-Tochter, Jahresgehälter im sechsstelligen Bereich, Haus am Sülldorfer Kirchenweg in Blankenese.
Im Juni 2008 der Absturz: G. erleidet einen schweren Herzinfarkt. Sein Arbeitgeber kündigt ihm. Es folgt eine Steuernachforderung in Höhe von rund 170.000 Euro. Gleichzeitig kommen hohe Unterhaltsansprüche aus zwei Ehen auf den früheren Manager zu. Vor Gericht spricht der Angeklagte „vom Zusammenbruch meiner beruflichen Existenz“.
Das Urteil: ein Jahr und sechs Monate Gefängnis auf Bewährung. G. arbeitet mittlerweile als Berater, zahlt monatlich 600 Euro an die Gläubiger.
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