Hamburgs Landwirtschaft wird gentechnikfrei

Landwirtschaft und Natur - eine Impression aus der Sülldorfer Feldmark

Anne Krischok (SPD): „Ich habe mich dafür als Umweltpolitikerin eingesetzt und freue mich, dass Hamburg nun dem Netzwerk der gentechnikfreien Regionen (Charta von Florenz) beigetreten ist.“



„In mein Essen soll keine Gentechnik kommen“, sagen viele. Um das zu verwirklichen, ist Hamburg dem Netzwerk der gentechnikfreien Regionen (Charta von Florenz) beigetreten: Damit verpflichtet sich die Stadt, dass in der Hamburger Landwirtschaft keine Gentechnik eingesetzt wird. Anne Krischok, SPD-Wahlkreisabgeordnete für den Hamburger Westen zählt die Vorteile auf: „Die Hamburgerinnen und Hamburger können beim Kauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus Hamburg sicher sein, dass die Produkte gentechnikfrei sind. Eine gentechnikfreie Landwirtschaft und die Förderung des ökologischen Landbaus ist im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie ein Beitrag zum Naturschutz und Erhalt der Artenvielfalt."

Um die Standards zu gewährleisten, müssen sich künftig Pächter städtischer Flächen vertraglich zu einer gentechnikfreien Nutzung verpflichten. Krischok, die in der Hamburgischen Bürgerschaft Vorsitzende des Umweltausschusses ist, betont, dass die Ausweitung des ökologischen Landbaus mit einem Maßnahmen- und Unterstützungspaket für die Hamburger Landwirte verbunden ist: Vorhandene Fördersätze werden zum Teil bis zu 30 % erhöht. Zudem wird eine Forschungsförderung zur Vermeidung von Gentechnik in Landwirtschaft und Gartenbau vorangetrieben. Neben der Förderung von regionalen Initiativen zur Gentechnikfreiheit werden Informationsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen Verbraucherschutz und Verarbeitung von gentechnikfreien Produkten finanziert. „Dies ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket, mit dem Hamburg Maßstäbe setzt“, lobt die SPD-Umweltpolitikerin. „Darüber hinaus wollen wir die Verpflegung von Kantinen, Kindertagesstätten und Schulen ausgestalten, dass ausschließlich Nahrungsmittel, die frei von gentechnisch veränderten Organismen sind, verwendet werden.“

Zum Hintergrund zum europäischen Netzwerk der gentechnikfreien Regionen (Charta von Florenz):

Der Umweltausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich unter dem Vorsitz von Anne Krischok intensiv und lange mit dem Thema Gentechnik auseinandergesetzt, beginnend mit einer Expertenanhörung im Jahr 2012. Der Beitritt Hamburgs zur „Charta von Florenz“ wurde danach zusammen mit dem Agrarwirtschaftlichen Konzepts des Senats im Umwelt- und Wirtschaftsausschuss beraten, das vor kurzem endgültig von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossen wurde. Somit konnte der Hamburger Senat mit Zustimmung des Parlaments Hamburgs Beitritt zum besagten Netzwerk nun offiziell vornehmen.

Zur Geschichte: Am 4. Februar 2003 schlossen sich 21 Regionen im Europäischen Netzwerk der gentechnikfreien Regionen zusammen. Die zentralen Forderungen des Zusammenschlusses wurden im Jahr 2005 in der so genannten Charta von Florenz konkretisiert. Deren wichtigsten Ziele sind:

• der Einsatz für nationale bzw. regionale Befugnisse unabhängig von dem Zulassungsverfahren auf europäischer Ebene Anbauverbote von gentechnisch veränderten Pflanzen zu erlassen (so genannte opt-out-Regelung),
• die Einflussnahme auf die europäischen Institutionen zur Überarbeitung des derzeit gültigen Genehmigungsverfahrens zur Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen,
• die Einführung des Verursacherprinzips bei Verunreinigungen von Ernte und Saatgut,
• die Sicherstellung und Förderungen von gentechnikfreiem Saatgut,
• die Unterstützung von internationalen Vereinbarungen zur Zertifizierung von gentechnikfreien Rohmaterialen,
• der Erhalt der Artenvielfalt der Regionen und
• der Schutz dieser Artenvielfalt vor Patentierung.

Mittlerweile sind 62 europäische Gebietskörperschaften dieser Interessensgemeinschaft beigetreten. Die Mitgliedsregionen stammen aus Belgien, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Kroatien, Griechenland und Großbritannien. Aus Deutschland sind die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen sowie Baden-Württemberg Mitglieder im Netzwerk. Zuletzt traten 2014 im April Bayern und im Mai Hessen bei. Damit sind neun deutsche Bundesländer Mitglied im Netzwerk.
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