Vom St. Pauli-Profi zum Wassermacher

Fühlt sich wohl auf St. Pauli: Benjamin Adrion. Foto: Stahlpress Medienbüro

Benjamin Adrion: Der Gründer von Viva con Agua sorgt weltweit für Zugang zu Trinkwasser

Von Volker Stahl. „Total abgefahrener Typ“, „der etwas andere Fußballprofi“ – so oder ähnlich waren Porträts von Benjamin Adrion zu seiner aktiven Zeit häufig überschrieben. 2008 beendete der ehemalige Jugendnationalspieler seine Karriere in der zweiten Mannschaft des FC St. Pauli in einem Alter, in dem andere Profis erst richtig durchstarten – mit 27 Jahren! Der verletzungsanfällige Mittelfeldspieler hatte keinen Vertrag mehr bekommen. Einen neuen Verein wollte er sich nicht mehr suchen: „Nach St. Pauli kann nichts mehr kommen, Fußball reizt mich nur am Millerntor.“
Beim Kiezklub hatte Adrion Akzente zuletzt weniger auf dem Platz als am Rand des grünen Rasens gesetzt. Nach seinen Erfahrungen bei einem Trainingslager auf Kuba schob er vor zehn Jahren zusammen mit dem Verein und der Welthungerhilfe das Projekt „Viva con agua de Sankt Pauli“ an. Mit dem Ziel, Kindern auf der Zuckerinsel den Zugang zu sauberem Wasser zu sichern. Bald standen in 153 Kindergärten und fünf Sporteinrichtungen Wasserspender. „Das ist leider keine Selbstverständlichkeit auf Kuba, wo das wichtigste Lebensmittel oft mit Keimen belastet ist“, erklärt Adrion. Um das zu ändern, warben er und seine Mitstreiter Geld ein – auf Konzerten, Partys und durch Spenden.

12.000 Ehrenamtliche unsterstützen Viva con Agua

2009 erhielt Adrion für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Den Orden nahm der gebürtige Stuttgarter – entgegen hanseatischer Tradition – „stellvertretend für das Netzwerk“ an und bereut das nicht, denn: „Die Auszeichnung hat unserem Projekt Seriosität verliehen und viele Türen geöffnet.“
Der ehemalige Kicker stammt aus einer Fußballerfamilie. Vater Rainer schnürte in 22 Bundesligaspielen die Stiefel für den VfB Stuttgart, dessen Jugendabteilung er heute leitet. Benjamin, den alle „Benny“ rufen, durchlief sämtliche Jugendmannschaften beim schwäbischen Klub, wurde Jugendinternationaler und kam im Juni 2004 nach Hamburg, wo er seine zweite Heimat fand. Adrion junior unterscheidet sich von der Masse der Fußballer nicht nur durch sein soziales Engagement: Um sein Abitur zu bauen, hatte er ein Jahr mit dem Sport ausgesetzt.
„In den Leistungsfußball bin ich ohnehin nur reingerutscht, ich war nie richtig vom Profitum überzeugt“, sagt der 35-Jährige. Umso mehr freut er sich darüber, heute als Ideengeber, Geschäftsführer und Vorstand einer Spendenorganisation „auf der guten Seite“ zu stehen und dabei „Freude und Spaß“ zu haben. Und das mit Erfolg, nicht zuletzt, weil „Benny“ ein Charming Boy ist, dessen natürliche Art auch bei Schlipsträgern gut ankommt: Aktuell unterstützen mehr als 12.000 Ehrenamtliche die Wasser-Initiative. auch in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. Zwei Millionen Menschen bekamen seitdem Zugang zu sauberem Trinkwasser.
25 Festangestellte sorgen dafür, dass die Spendengelder – 80 Prozent werden projektgebunden verwendet, 20 Prozent für die Vermarktung verwendet – dort ankommen, wo sie benötigt werden. Das größte Projekt ist der Brunnenbau in Äthiopien im Volumen von vier Millionen Euro. Hat Adrion noch einen Wunsch? „Ja, bitte setz‘ unser Spendenkonto unter den Text!“


Viva con Agua

Infos, Mitmachen und Spenden unter 
❱❱ www.vivaconagua.org
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