Sturztrunk mit Fanta-Rolf

Mit „Fleisch ist mein Gemüse“ wurde Heinz Strunk bekannt, der Roman verkaufte sich mehr als eine halbe Million mal. Foto: Dennis Dirksen
Hamburg: Fabrik |

Heinz Strunks Roman über Fritz Honka wird von Lesern und Kritikern
als literarische Sensation gefeiert. Zusatztermin für Lesung in der Fabrik

Von Horst Baumann. Die Schokoladenfabrik in der Gaußstraße ist längst aufgegeben, als der Hausmeister Herr Engel beim Fegen des Hofes zwischen Laub und trockener Erde einen Kopf entdeckt. Nachdem Engel noch eine Hand erkennen kann, ruft er die Polizei. So beginnt der Roman „Der goldene Handschuh“, den Heinz Strunk nach Durchsicht der bislang im Staatsarchiv verschlossenen Akten zu Fritz Honka geschrieben hat. Es ist das erste nicht autobiografische Buch des Hamburger Autors von „Fleisch ist mein Gemüse“, an dem er – mit Unterbrechungen – fünf Jahre gearbeitet hat.
Strunk beschreibt lakonisch aber nicht ohne Mitgefühl, wie Honka durch das graue Ottensen der 1970er-Jahre zu seinen Ausflügen nach St. Pauli aufbricht und zum Mörder wird. Im „Goldenen Handschuh“ am Hamburger Berg lernt er leicht ältere Gelegenheitsprostituierten kennen. Sie sind die einzigen, die sich mit dem verwachsenen Männchen mit dem eingedrückten Gesicht abgeben wollen.

„In Teilen verrohte Gesellschaft“


In seiner Romanhandlung lässt Strunk aber nicht nur „randständige“ Existenzen ihr Schicksal beim Sturztrunk mit Fanta-Rolf oder Soldaten-Norbert vergessen. Einige Mitglieder einer in Auflösung befindlichen Hamburger Reederdynastie aus einer Villa am Rande des Hirschparks in Blankenese lassen sich im „Handschuh“ ebenfalls volllaufen.
„Mit gnadenlosem Realismus und treffsicher stellt Strunk eine in Teilen verrohte Gesellschaft dar, die die Nazizeit noch nicht verarbeitet hat“, begründete die Jury die Nominierung des Buches für den Preis der Leipziger Buchmesse.
Kritikern („literarische Sensation“) und Lesern gefällt das düstere Werk aus den Wohlstandsjahren des Nachkriegs-Hamburg gleichermaßen: „Der goldene Handschuh“ kletterte seit seinem Erscheinen Ende Februar bis in die „Spiegel“-Bestsellerliste. Die Lesung von Heinz Strunk am Dienstag, 7. Juni, in der Fabrik, Barnerstraße 36, ist bereits seit Wochen ausverkauft, lerdiglich für den Zusatztermin am Mittwoch, 8. Juni, um 20 Uhr, gibt es noch Karten.

Fritz Honka

Fritz Honka wohnte in einer 18-Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung in der Zeißstraße 74. Als es dort im Sommer 1975 brannte, entdeckte ein Feuerwehrmann Leichenteile, die Honka in einer Abseite des Dachbodens versteckt hatte. Er gestand, vier Frauen getötet zu haben. 1976 wurde er wegen Mordes in einem Fall und Totschlags in drei Fällen zu 15 Jahren Haft mit anschließender Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt. Seine Opfer waren Gertraud Bräuer (43) – ermordet im Dezember 1970, Anna Beuschel (55), Frieda Roblick (58) und Ruth Schult (52). Fritz Honka starb am 19. Oktober 1998 in der Klinik Ochsenzoll.
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