Stoffkunst sucht neue Räume

Angelika Francke mit einer Brettchenwebarbeit: „Früher hatte ich zwei linke Hände, aber im Laufe der Zeit wurde ich immer geschickter“, sagt sie. Foto: cvs
Hamburg: Museum für textile Techniken |

Schule Rothestraße:Museum für textile Techniken muss ausziehen

von Christopher von Savigny

Nein, ein Museum würde niemand hinter der stink-normalen Klassentür im ersten Stock der Grundschule Rothestraße vermuten. Erst recht keinen reichhaltigen Fundus textiler Schätze aus den vergangenen 100 Jahren: Angelika Francke hat ihr „Museum für textile Techniken“ vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben und bietet seither regelmäßig Besichtigungen nach Vereinbarung an. Nebenbei erhalten Schüler Unterricht in textiler Handarbeit. Jetzt benötigt die Schule den Platz selbst: „Zum Jahresende müssen wir raus“, bestätigt die Leiterin.
Gesucht werden Ersatzräume mit insgesamt 200 bis 300 Quadratmetern. Francke möchte ihre Arbeit unbedingt fortsetzen. „Ich finde es wichtig, alte Handwerkstechniken zu erhalten“, sagt sie.
Beim Anblick des gut gefüllten Raums, der als Museum und Arbeitsraum dient, fühlen sich Besucher sofort in eine gute alte Zeit versetzt, in der Handarbeit noch etwas wert war: Auf den Tischen liegen Stickereien und Webarbeiten, es gibt Schaukäs-ten mit „Flechtbüchern“ aus der Vorkriegszeit und ebenso alte Plakate mit Stich- und Webmustern. Zu den Highlights gehören eine kurbelbetriebene Rundstrickmaschine und eine mit den Füßen zu bedienende „Prickelmaschine“, mit der man früher Initialen in die Wäsche stach. In Betrieb sind die Geräte derzeit nicht – die Bedienung ist nicht ganz einfach. „Dabei könnte man mit der Rundstrick-maschine auch heute noch Pullover stricken“, sagt Francke.
Mit ihren Schülern webt die pensionierte Kunstlehrerin der Schule schicke Armbänder,
bastelt Puppen-Hängematten und stickt Textilbilder mit einem 60 Jahre alten Goldfaden, der sich „Japangold“ nennt. Einen Teil ihres Unterrichtsmaterials wie auch ihrer Sammlung hat Francke von ihrer ehemaligen Textillehrerin geerbt. Große Mengen davon lagern in säuberlich beschrifteten Schubladen, der Rest in einem Depot in den Hamburger Deichtorhallen. Dieses muss sie wahrscheinlich auch aufgeben, da die Deichtorhallen renoviert werden sollen.

Räume gesucht
Wer von Räumen weiß, die sich für dieses ganz besondere Museum eignen könnten, wird dringend gebeten, sich zu melden. Das Museum für textile Techniken ist ein eingetragener Verein. Kontakt:
Tel. 49 97 95 oder angelika. francke@t-online.de.
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