„Mitte Altona“: Bürger fordern Planungsaufschub

Geht die Planung zu schnell? Veranstaltungsbesucher vor einer Fotowand mit dem ehemaligen Güterbahnhof Altona, der zukünftigen „Mitte Altona“. Foto: rs
Hamburg: „Planungscontainer“ |

Doch die Stadtentwicklungsbehörde lehnt ein Moratorium ab

von Reinhard Schwarz

Mega-Bauprojekt: die „Mitte Altona“ auf dem Bahnhofsgelände zwischen den Stadtteilen Ottensen und Altona-Nord. In einem ersten Schritt sollen ab 2012 rund 1.500 Wohnungen gebaut werden, in der zweiten Phase sind weitere 1.900 Wohnungen geplant. Während früher solche Projekte weitgehend ohne frühzeitige Beteiligung der Bürger durchgezogen wurden, wollten die Behörden diesmal alles „richtig“ machen und gründeten ein Beteiligungsgremium. Doch gerade dieses Gremium stellt sich quer, Bürger fordern einen zeitlichen Aufschub der Planungen.
Der Grund für das Moratorium: Wesentliche Forderungen der beteiligten Gruppen seien von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ignoriert worden. „Wir haben das Gefühl, hier läuft grundsätzlich was schief“, sagt Christoph Twickel von der Initiative Lux & Konsorten. Die Behörde habe zudem vertragliche Vereinbarungen mit den Investoren in einem Eckpunktepapier geheim gehalten und erst kürzlich – nach mehreren Nachfragen – herausgerückt. Mit geschwärzten Passagen. Die Initiativen fühlen sich hintergangen, fordern mehr Zeit, sich einzuarbeiten. Während einer Veranstaltung begründeten die beteiligten Gruppen und Bürger am Donnerstag ihre Forderung für einem Moratorium. Rund 150 Anwohner und Interessierte waren zum „Planungscontainer“, Harkortstraße 121, gekommen.
Kritik machte sich vor allem an der relativ geringen Zahl der Sozialwohnungen (rund ein Drittel) im Verhältnis zu den geplanten Eigentums- und frei finanzierten Wohnungen (zwei Drittel) fest. „33 Prozent sozialer Wohnungsbau erscheinen uns als nicht den Bürgerforderungen und der Lebensqualität der Altonaer entsprechend angemessen“, so ein Vertreter des Beteiligungsgremiums. Frei finanzierter Wohnungsbau sei für Klein- und Mittelverdiener „nicht bezahlbar“.
Zudem basierten die Planungen auf der Voraussetzung, dass ein zweites, großes Areal von der Deutschen Bahn zugunsten eines neuen Fernbahnhofs am Diebsteich aufgegeben werde. Doch dazu gebe es immer noch keinen verbindlichen Beschluss der Bahn. Michael Sachs (SPD), Staatsrat der Stadtentwicklungsbehörde, erklärte indes, ein Moratorium werde im Hinblick auf den dringend benötigten Wohnungsbau vom Senat abgelehnt.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.