Kornblumen im Dornröschenschlaf

Der Platz vor dem Altonaer Rathaus 1959, mit den Stufen, die zum Kornblumen-Mosaik hinunter führten. (Foto: Archiv Borkowski)
 
Ein Mosaikpflasterstein? Gefunden in den Büschen vor dem Altonaer Rathaus.
Hamburg: Platz der Republik | Sie symbolisieren die Romantik, die Sehnsucht und die Liebe, gemeint sind blaue Blumen. Es könnte sein, dass die Mutter von Kaiser Wilhelm I., Königin Louise von Preußen (1776 - 1810), deshalb die blaue Kornblume als ihre Lieblingsblume auserwählte. Daran hat der Kaiser sich gern erinnert und auch an seine Kindheit, und deshalb erklärte er die blaue Kornblume auch zu seiner Lieblingsblume. So wurde sie zu einem Kommunikationsmittel zwischen der Bevölkerung und dem Kaiser, indem er auf Anlässen wie zum Beispiel an seinem Geburtstag, Kornblumensträuße geschenkt bekam oder Präsente, auf denen das Motiv von Kornblumen verewigt war.
Als am 18. Juni 1898 die Enthüllungsfeier des Kaiser-Wilhelm-Denkmals vor dem Altonaer Rathaus stattfand, an dem auch Kaiser Wilhelm II.(Enkel) und seine Gemahlin teilnahmen, wurde extra eine Wagenladung Kornblumen an die Zuschauer verteilt, so war es damals in den Altonaer Nachrichten zu lesen. Es wird dann wohl nicht verwunderlich gewesen sein, dass ein kunstvoll-aufwendiges Kornblumen-Mosaik rund um das Denkmal im Boden angelegt wurde und den Platz vor dem Rathaus in einen Schmuckplatz verwandelte.
Kornblumen, die nicht nur an den Kaiser, sondern bestimmt auch an seine Mutter,
die „Königin der Herzen“, erinnern sollten, die schon zu Lebzeiten vom Volk verehrt wurde und jung verstarb, ähnlich wie heute Lady Diana (1961-1997), Princess of Wales. Noch heute wird an Königin Louise erinnert, indem zum Beispiel die blaue Kornblume mit ihrem Namen auf T-Shirts anlässlich ihres 200.Todestages gedruckt wurde.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und das Kornblumen-Mosaik wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der britischen Besatzungsmacht nicht beseitigt und blieben an ihrem Platz. Dabei war sorgfältig geprüft worden, welche Denkmäler dem kritischen britischen Blick standhalten konnten.
Mit Erde zugeschüttet wurde das Mosaikpflaster erst in den 60er Jahren und samt Stufen, die dort hinunterführten, eingeebnet und mit einer neuen Bepflasterung „modernisiert“. Ein unglücklicher Treppensturz eines Rathausmitarbeiters, der sich bei den Stufen ereignet hatte, soll der Anlass dazu gewesen sein. Die Mauern, die an die Treppen angrenzten, sind heute noch in den Büschen vorhanden.
Ein berühmter deutscher Spielfilm von 1956 zeigt, dass zu dieser Zeit Stufen und Kornblumen-Mosaik noch vorhanden waren. Sie dienten als Filmkulisse für den Film “Der Hauptmann von Köpenick“ (1957 nominiert für einen Oscar), der nicht in Berlin, sondern in Hamburg und Altona gedreht wurde, mit Heinz Rühmann als Hauptdarsteller.
Es gibt heute noch zahlreiche Altonaer, die das Kornblumen-Mosaik damals live erleben konnten und berichten, dass sie es als wunderschön empfanden. Oft haben sie dort als Kinder auf dem Platz gespielt und vermissen es heute noch.
Wäre die 350-Jahresfeier von Altona nicht der ideale Anlass, das Kornblumen-Mosaik wach zu küssen und endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, damit es in seiner ganzen Schönheit erstrahlen kann?
Für Anwohner und Touristen, die sich für Altona und seine Stadtgeschichte interessieren, wäre es eine Attraktion mehr. Schließlich haben wir an solchen Attraktionen kaum noch etwas vorzuweisen, und es wird immer weniger. Denkmäler sind wichtig für die Nachkommen und sollten gepflegt und erhalten werden, damit Geschichte lebendig bleibt und erklärt wird. Das kann nicht passieren, wenn man sie begräbt und der Vergessenheit preisgibt.
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