Kalte Festtage für einsame Väter

Der Blaue Weihnachtsmann zeigt immer wieder Präsenz vor Hamburgs Amtsgerichten. (Foto: pr)

Der Blaue Weihnachtsmann kämpft für Rechte von Männern, die ihre Kinder nicht sehen dürfen - auch in den Elbvororten

Jakob Drechlser, Blankenese
Hilko Weber (Name von der Red. geändert) kann sich nur noch schemenhaft an das letzte Weihnachtsfest mit seiner Tochter erinnern. Aus einfachem Grund: das Ereignis liegt mittlerweile mehr als zehn Jahre zurück. Seit der Trennung von der Mutter war es dem Vater nicht mehr vergönnt, mit seinem Kind eine der schönsten Zeiten des Jahres zu verbringen. Noch nicht einmal ein Geschenk machen kann er seiner Tochter zu Heiligabend – denn er kennt ihre Adresse nicht.
Das Schicksal Webers teilen auch an diesen Weihnachtstagen hamburgweit bis zu 50.000 Väter. So viele Männer haben allein in der Hansestadt eingeschränkten Kontakt zu ihren Kindern, wie aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.
Detlef Naumann will diesen Umstand nicht hinnehmen, deshalb engagiert sich der 53-jährige Harburger mit Nachdruck für die Rechte von Vätern. Dabei sorgen er und seine Mitstreiter in diesen Tagen für einen echten Hingucker: In blauen Gewändern und Mützen machen die Männer – und durchaus auch Frauen – auf Missstände in der Gleichstellung von Müttern und Vätern aufmerksam.
„Blauer Weihnachtsmann“ nennt sich der gemeinnützige Verein, der über Selbsthilfegruppen versucht, Lobbyarbeit zu betreiben. Naumann hofft, bald auch in den Elbvororten eine feste Gruppe Blauer Weihnachtsmänner gründen zu können. Gerade war er in Blankenese unterwegs, um auf der Straße über die Anliegen der weihnachtlich kostümierten Männer zu informieren – und vor dem Amtsgericht gegen gängige Rechtssprechung zu demonstrieren. „Die Perspektive der Väter ist in der Vergangenheit überhaupt nicht berücksichtigt worden“, klagt Naumann. Die Bundesregierung habe kürzlich eine Gewaltschutz-Hotline eingerichtet – ausschließlich für Frauen. Naumann wertet dies als Affront: „Auch Männer erfahren Gewalt.“ Andauernde Gerichtsverfahren und Unterhaltszahlungen trieben etliche Väter außerdem in den Ruin. „Irgendwann wird man krank“, sagt Naumann.
Der Blaue Weihnachtsmann könnte viele Geschichten über verpatzte Feste erzählen. So wie die eines Bekannten, der seinem Sohn den lang ersehnten Wunsch nach einem Feuerwehrauto erfüllen wollte und das Spielzeug bei einem begleiteten Termin überreichte. „Als die Mutter den Jungen wieder abholte, flog das Geschenk noch vor den Augen des Vaters in den nächsten Mülleimer.“ Für Naumann ein typischer Versuch, ein Kind von seinem leiblichen Vater zu entfremden.
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