Hopfenviertel statt Holstenareal

Der Holstenritter bleibt auch im Hopfenviertel auf seinem Pferd. Fotos: rs
Hamburg: Holsten Brauerei |

In Altona-Nord entsteht bis 2020 neuer Wohnraum

Von Folke Havekost. Über dem Gelände von Hamburgs bekanntester Brauerei thront seit Langem der Holstenritter, kaum beeinträchtigt von der wechselnden Wetterlage an Alster und Elbe. Der Holstenritter bleibt auf seinem Pferd – aber aus dem 86.000 Quadratmeter großen Gelände wird das Hopfenviertel, mit 1.500 neuen Wohnungen und 25.000 Quadratmetern Gewerbefläche in Altona-Nord. „Wenn das gelingt, dann haben wir etwas Großartiges zustandegebracht“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz, als er im Sommer die Pläne vorstellte. Die Düsseldorfer Entwickler der Gerchgroup wollen gut 750 Millionen Euro investieren, um fünf- bis siebengeschossige Wohnbauten zu errichten – im Drittelmix aus Eigentum, freiem Markt und gefördertem Wohnraum. Gerchgroup-Mitbegründer Mathias Düsterdick freut sich bereits auf „ein neues Quartier in einem trendigen Stadtteil auf einem Areal mit viel Historie“.
In Altona-Nord startet bald das Bürgerbeteiligungsverfahren, damit aus dem Holstenareal das Hopfenviertel werden kann. „Neue Wohnfläche hier ist nicht verkehrt“, sagt Yolisan Diederichs auf dem Weg zum nahe gelegenen S-Bahnhof Holstenstraße. Sie wohnt weiter südöstlich im Pepermölenbek und hat die Erfahrung gemacht, dass Neubauten die angespannte Situation auf dem Hamburger Wohnungsmarkt nicht automatisch lindern. „Dort sind neue Wohnungen praktisch unerschwinglich“, sagt Diederichs. Und wenn es ein günstiges Angebot im neuen Hopfenviertel geben sollte? „Am Fischmarkt fühlen wir uns wohl, da ziehen wir nicht weg.“

Altona und Eimsbüttel wachsen dichter zusammen


Trotz ihrer vorsorglichen Absage: Altona ist beliebt, diese Ecke besonders. Nicht weit vom Holstenareal entfernt liegt der Altonaer Fernbahnhof, aus dem – nicht unumstritten – die „Neue Mitte Altona“ werden soll. Einer Radfahrerin aus Eimsbüttel fallen unter den Augen des Holstenritters ihre Tonerkartuschen aus dem Fahrradkorb. Über den Zustand der Radwege schimpft sie, vom Neubauprojekt Hopfenviertel ist sie dagegen abgetan. „Haben Sie was für mich? Ich hätte gern 100 Quadratmeter“, sagt sie beim Wiederverstauen der Kartuschen: „Ich würde gerne in Altona wohnen, zum Einkaufen fahre ich sowieso immer dorthin.“ Das dürfte ihr leichter fallen, wenn die beiden Altonaer Großprojekte abgeschlossen sind. Denn mit Wohnungen statt Bahnhof und Brauerei rückt Altonas Norden alltagsweltlich noch näher an seinen Nachbarn Eimsbüttel heran.
Die Brauerei zieht dafür an den südlichen Stadtrand nach Hausbruch. Bis 2018 soll der Malzgeruch verflogen und der Abriss abgeschlossen, bis 2020 die Wohnungen bezugsfertig sein. Jede fünfte soll an Baugenossenschaften gehen. Auch aus Kostengründen dürfte Klinker-Backstein dominieren und weder die Glasfront des Holsten-Eingangsgebäudes noch die Altbauhäuserzeile schräg gegenüber den Stil prägen.
Ein bisschen Bier bleibt auf jeden Fall: Eine Mikrobrauerei soll es auch innerhalb des neuen Wohnareals geben, erhalten bleiben wird auch das Sudhaus – und der Juliusturm mit dem Holstenritter auf seiner Spitze.
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