Frau Mustafa und Tyrone suchen eine Wohnung

Nadia Mustafa (36) und ihr Sohn Tyrone (6) möchten gerne in Altona wohnen bleiben, weil sie sich im Stadtteil ein soziales Umfeld aufgebaut haben.en. Foto: cvs
 
Viel zu wenige Sozialwohnungen: Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg übt Kritik an der städtischen Wohnungspolitik. Foto: Mieterverein

36-jährige Altonaerin muss wegen Hüftoperation umziehen

Von Christopher von Savigny. An so richtig „beschissenen“ Tagen dauere es schon mal zehn Minuten, bis sie die vier Stockwerke zu ihrer Wohnung hinauf geschafft habe. „So geht es nicht weiter“, sagt Nadia Mustafa, Anwohnerin der Julius-Leber-Straße.
Ein angeborenes Hüftleiden macht der 36-Jährigen das Gehen und insbesondere das Treppensteigen zur Tortur. Jetzt steht eine Operation an: Ende Januar soll Mustafa ein neues Hüftgelenk bekommen, wenige Monate danach ein zweites.
Grundsätzlich sind das zwar gute Nachrichten. Allerdings, so berichtet die alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes, werde sie danach etwa ein Jahr lang gar nicht mehr richtig laufen können. „Vor meiner OP brauche ich unbedingt eine neue Wohnung“, sagt sie. „Erdgeschoss, Hochparterre oder erster Stock kommen in Frage – mit Aufzug natürlich auch alles andere.“
Als Kleinkind kam Mustafa mit ihren äthiopischen Eltern nach Hamburg, heute ist sie gelernte Familien- und Sozialberaterin. Infolge ihrer Schwangerschaft und ihrer Krankheit bezieht sie seit einiger Zeit Hartz IV. „Dabei“, sagt Mustafa, „würde ich lieber heute als morgen anfangen zu arbeiten.“ Zuletzt hatte sie ein Praktikum gemacht – doch ein bereits versprochener Folgejob zerschlug sich aufgrund des anstehenden OP-Termins.
Stattdessen steht nun die zermürbende Wohnungssuche an: Durchschnittlich vier Stunden täglich verbringt die Altonaerin mit Anzeigenstudium und Besichtigungen. Bei sämtlichen Wohnungsbaugenossenschaften ist sie vorstellig geworden, nur zwei von ihnen (Saga und Altoba) nahmen sie überhaupt auf die Warteliste. „Alle anderen waren schon überfüllt“, berichtet sie. Auch der vom Amt ausgestellte Wohnungsberechtigungsschein half bislang nichts – die Behörde schickte kein einziges Angebot. Bis zu 448 Euro zahlt das Jobcenter für eine Wohnung – plus zehn Prozent, falls diese in Ottensen liegt. Mustafa möchte gern im Stadtteil bleiben. „Ich will keine Luxusvilla, sondern einfach nur 'ne Wohnung, in der ich gesund werden kann“, sagt sie.

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„Mehr Sozialwohnungen schaffen!“

Das sagt der Mieterverein zur Wohnungssuche von Frau Mustafa

„Mein wichtigster Rat ist: Zeigen Sie Eigeninitiative!“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Betroffene sollten sämtliche Kanäle nutzen, die ihnen zur Verfügung stünden – Zeitungen, Internet, Kontakte zu Freunden und Bekannten. Und bei Wohnungsbaugenossenschaften vorstellig werden – also im Prinzip all das, was Nadia Mustafa bereits beherzigt.
An der Wohnungsbaupolitik der Stadt Hamburg lässt Chychla kein gutes Haar: „Rund die Hälfte aller Haushalte verfügen über eine Berechtigung für eine Sozialwohnung, dabei gibt es in der Stadt nur noch 80.000 davon“, sagt. Noch Mitte der 1980er-Jahre habe die Anzahl der Sozialwohnungen bei 350.000 gelegen – allerdings sei die Bevölkerung in diesem Zeitraum um 200.000 Personen gestiegen. „Dass Hamburg jetzt 3.000 Sozialwohnungen pro Jahr baut, macht die Suppe auch nicht fett“, so Chychla. „Denn gleichzeitig fallen jährlich 4.000 bis 5.000 Wohnungen aus der Bindung raus.“
Nach Auskunft des Mietervereins hat allein die Saga aktuell eine Warteliste von 40.000 Interessenten. „Ich bedaure die derzeitige Situation auf dem Wohnungsmarkt und appelliere an die Stadt, die Anzahl der Sozialwohnungen zu erhöhen“, so Chychla abschließend. cvs
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