Ein Baum ausgerissen, einige beschädigt und einige stehen auf unsicheren Grund.

 

Abrissarbeiten an der Gewürzmühle fast abgeschlossen.


Es liegen beim Amt kein Fällungsanträge oder Genehmigungen für irgendeinen Baum auf dem Gelände in der Gaußstraße 71-75 vor. Doch der erste Baum liegt schon.

Das ist mir am 03.10.12 ist mir beim Fotografieren aufgefallen. Am 04.10.12 war ich schon im Kontakt mit der Umweltbehörde und ein Mitarbeiter hat mir bestätigt, dass keine Erlaubnis oder Anträge beim Amt vorliegen. Er hatte sich nach meinem ersten Anruf versucht mit dem Abrissleiter der Baufirma ohne Erfolg in Verbindung zu setzen. Ich habe ihm in Anschluss des zweiten Telefonates Bilder gesendet, so dass die heutige Lage besser für ihn nachvollziehbar ist.

Ein Jahr nach dem Kauf des Geländes der alten Gewürzmühle und nach Jahren des Leerstandes ohne tägliche Unfälle, waren die Gebäude auf einmal so gefährlich, dass die neuen Eigentümer Altona Bau- und Sparverein/Behrendt Wohnungsbau entschieden haben, dass sofort abgerissen werden müsse. Seit über einem Jahr versuche ich an Informationen zu kommen die weiterhelfen könnten, die Geschichte dieses Grundstück(en)es zu verfolgen. Der Makler des früheren Besitzers hat über Telefon erklärt, dass sie keine Bauakten haben (der Altonaer Bau- und Sparverein hat angeblich auch keine Bauakten) und dort auch nichts weiter gebaut wurde. Dass kommt mir sehr merkwürdig vor.

Bevor Walter Schwere seine Norddeutsche Gewürzmühle in den späten 1970er Jahren in der Gaußstraße 71-75 eröffnete, hatte C. G. Rommenhöller ein Kohlensäurewerk (das schon 1936 stand) mit der Adresse Gaußstraße 73. Eine Betriebsleiterwohnung hat die Hausnummer 75 und Menschen sind hier noch im Jahr 1954 gemeldet. Zur Hausnummer 71 konnte ich fast nichts finden, außer das ein Gebäude auf einer Baukarte von der Gegend aus der Jahre 1937 zu sehen ist mit Grenzlinien zu den Nachbargrundstücken. Im Jahr 1954 gibt es auch eine Hausnummer 77 in der Gaußstraße die nicht mehr existiert. Dort wohnte ein W. Peters, Malermeister, und es gab eine Malerwerkstatt mit Garage (1949-1976). Im Jahr 1949 bekommt Herr Paul Kamp in Hamburg-Othmarschen das Grundstück von der Liegenschaftsverwaltung gemietet und die Erlaubnis an einer alten Bauruine (eine begonnenes Bauvorhaben) weiter zu bauen. Ernst Liedtke ist als Architekt in den ersten Bauplänen angegeben. Es ist unbekannt wie viele Gebäude dort zuletzt gestanden haben. Allerdings wurden am 02.10.1975 Abrissgenehmigungen erteilt.

Ich war öfter in dem Staatsarchiv Hamburg um zu recherchieren aber es war eine magere Ausbeute. Es hat sich leider niemand auf unsere vielen Aufrufe, Geschichten zur Gaußstraße zu teilen, gemeldet. Irgendwo sollte es doch Dokumente zur Baugeschichte unserer Stadt geben. Ich habe schon in einer Bürgerreportage darüber geschrieben wie schwierig es ist, überhaupt Einsicht in Bauakten zu bekommen („Alte Gesetze und Interesse für Lokalgeschichte“ ca. Mitte Mai diesen Jahres). Da niemand von sich hören ließ, habe ich leider keine alten Fotos die ich diesem Bericht zufügen könnte (der Stadtteil Archiv Ottensen leider auch nicht).

Die einzigen Bilder die jetzt gemacht werden können, ist die von Beschädigung an Bäumen und Böschung.


Dass schlimmste ist aber entlang der Gaußstraße noch kurz vor dem passieren. Es ist fast kein Container von der Abrissstelle weg gefahren. Die haben da Maschinen die alles zerkleinern. Vom Zement, den Fliesen, dem Beton und den Ziegelsteinen bleibt nur eine Sandmischung übrig, die für die Befüllung der entstandenen Löcher und die Kellern dient. Beim Abriss der letzten Kellerwände und Teilen vom Dach werden die Abrissarbeiter auf ein Problem stoßen. Denn es ist nicht möglich den Abriss durchzuführen ohne den Bäumen die Lebensgrundlage zu nehmen, Wurzeln auszureißen und es wird dazu kommen, dass einige Bäume doch gefällt werden müssen. Wie es schon so oft passiert ist. Zuletzt habe ich es als Mitbewohnerin vom Bauwagenplatz in der Gaußstraße miterlebt. Als das VIVO Zentrum gebaut wurde, mussten im Endeffekt mehr Bäume gefällt werden als zunächst angekündigt.


Die aktuelle Lage sieht nicht gut aus. Es ist höchste Zeit, dass einen reeller Schutz für die Bäume und Grünflächen auf Baugeländen und Abrissgrundstücken generell, und speziell in diesen Fall, auch tatsächlich festgelegt wird. Wer weiß, was sonst überall passiert, wenn Taten keine Konsequenzen haben. Wenn Bäume gefällt sind kann nichts mehr gemacht werden. Wann werden Investoren, Politiker, Lobbyisten und ganz normale Menschen merken, dass es ohne Bäume und Grünzuge in der Großstadt keine Luft zum Atmen gibt? Wie schwierig ist es sich einzusetzen für den eigenen Erhalt?

Sollte ich aufhören daran zu Glauben dass die Menschen, hier, kurz vor dem Bewegen stehen, wo es doch überall sonnst viel im Umbruch ist? Mir gehen langsam die Fragen aus. Selber werde ich mir nicht abgewöhnen mich zu bewegen, dafür steht viel zu viel auf den Spiel. Lokal wie Global.

Tine Renngård, Ottensen,

die sich unter andern für die Stadtteilmühle Ottensen
und der Grüne Insel Ottensen bewegt
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