Die Schriftexperten vom Altonaer Museum

Wann? 18.12.2011

Wo? Altonaer Museum, Museumstraße 23, 22765 Hamburg DE
Joachim Büchelmaier freut sich, wenn er eine leserliche Handschrift vor sich hat.
Hamburg: Altonaer Museum | Joachim Büchelmaier (65) arbeitet zweimal wöchentlich zwei Stunden lang ehrenamtlich im Altonaer Museum. Das könnte er theoretisch 300 bis 400 Jahre lang tun. Soviel Arbeit gibt es für ihn und seine Mitstreiter aus der „Sütterlin-Gruppe“.
„Sütterlinfest“ müssen sie alle sein. Denn ihre Aufgabe besteht darin, Texte, die in Sütterlinschrift geschrieben sind, in heutiges Schriftdeutsch zu übertragen. „Das ist nicht immer so einfach“, sagt Joachim Büchelmaier. „Denn die meisten Texte sind mit der Hand geschrieben. Und die Handschriften unterscheiden sich sehr. Manche schreiben sehr sauber, aber andere..... Das kann einen schon lange beschäftigen.“ Er selber hat die Sütterlinschrift, die 1941 von den Nationalsozialisten abgeschafft wurde, in der
ersten Klasse noch gelernt. „Ich hab das im Kopf bewahrt und konnte sie immer lesen.“
Tagebücher, Briefe, Postkarten, Poesiealben, Geschäftsbücher, Reisenotizen - alles muss lesbar gemacht, verschlagwortet und in die Datenbank des Museums gespeist werden. Den größten Batzen Arbeit machen die Eingangs- oder Inventarbücher des Museums, in die jedes Stück aufgelistet wird, das je im Museum aufgenommen wurde, insgesamt ungefähr 600.000 Gegenstände. „Pro Tag schaffe ich etwa 20 bis 30“, sagt Büchelmaier. „Sklavenarbeit, aber es bildet ja“, scherzt er.
Und dann gibt es ja auch noch die spannenden Funde - zum Beispiel die Diplomarbeit eines Volkswirtschaftlers von 1931: „Hochinteressant, wie darin die Anfänge des Nationalsozialismus zu erkennen sind.“
Sylvia Jodat, im Museum verantwortlich für die digitale Inventarisierung, schätzt die Arbeit der Ehrenamtlichen hoch ein: „Hier liegen so viele ungehobene Schätze, die Arbeit der Ehrenamtlichen erfüllt eine ganz wichtige Grundlagenfunktion!“
Ein Ergebnis der Arbeit, die die Sütterlin-Gruppe geleistet hat, wird auf der diesjährigen Weih-nachtsausstellung des Museums präsentiert: Wunschzettel und Weihnachtsbriefe aus drei Jahrhunderten. Und an den Wochen-enden der Weihnachtsmesse im Museum (siehe Info unten) können Interessierte sich sonnabends und sonntags von 14 bis 17.30 Uhr in der „Schreibstube“ an der Sütterlinschrift versuchen.

Die 20. Weihnachtsmesse im Altonaer Museum, Museumstraße 23, startet mit der Eröffnung der Weihnachtsausstellung am Freitag, 28. Oktober, um 18 Uhr. Im Mittelpunkt stehen dieses Jahr unter dem Motto „Wunschlos! Glücklich?“ Wunschzettel und Weihnachtsbriefe aus drei Jahhunderten. Die Ausstellung läuft bis zum 9. Januar. Die alljährliche Weihnachtsmesse findet an allen Wochenenden bis kurz vor Weihnachten – vom 29. Oktober bis zum 18. Dezember– immer sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr statt: Im Säulensaal bieten viele Aussteller ausgefallene Produkte und Geschenkideen an. Info:www.altonaer.museum.de
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