Boote, Yoga und James Joyce

Szene aus „Verbannte“ von James Joyce, Regie: Luk Perceval. Foto: Judith Buss, mail@seebergerbuss.com
Hamburg: Thalia Gaußstraße |

Premiere am 13. Dezember: Verbannte im Thalia an der Gaußstraße. Fünf Fragen an Regisseur Luk Perceval.

Als Kind fuhr Luk Perceval auf dem Schiff seiner Eltern Holz von Antwerpen auf dem Rhein nach Aschaffenburg. „Bis ich neun war, habe ich auf einem Schiff gelebt“, sagt der 58-jährige Belgier. Seit 2009 ist Perceval als leitender Regisseur am Thalia Theater vor Anker gegangen. Weil wir alle ein
bisschen so werden wie unsere Eltern, hat er heute ein Boot: „Ich habe dieses Leben gehasst. Und wo finde ich mich jetzt wieder? Ich bastle an meinem Motor und fluche wie mein Vater, die Hände voll Öl.“
Mit seinen Inszenierungen hat er Publikum und Kritiker im deutschsprachigen Raum überzeugt: 2013 wurde er mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie Regie Schauspiel ausgezeichnet.

James Joyces einziges Theaterstück

Neben dem Theater hat Perceval eine zweite Leidenschaft: Er ist Yogalehrer, der auch seinen Schauspielern Unterricht vor den gemeinsamen Proben erteilt. „Alle spüren, dass man am Morgen mit einem anderen Vibe zur Probe kommt, wenn man vorher Yoga geübt hat. Man ist wach und aufnahmefähig – man ist da“, sagte er dem „Yoga-Journal“.
In den vergangenen Wochen hat Perceval intensiv im Thalia an der Gaußstraße geprobt. Am Sonntag, 13. Dezember, ist die Premiere des James-Joyce-Stücks „Verbannte“.
In drei Akten entwirft der irische Autor in seinem einzigen Theater­stück ein leises Liebesdrama ohne große Ge­sten, ohne Pathos. Zweifel und Zweideutigkeit sind die bestimmenden Grundtöne in der Aufführung.
Der Alltag verführt zum Machtspiel: Regisseur Perceval interessiert, wie Joyce etwas thematisiert, das auf den ersten Blick banal erscheint. Wie weit kann man gehen, ohne den Anderen allzu sehr zu verletzen? Wie lähmend ist die Angst, in der Suche nach einem neuen Leben die erkämpfte Geborgenheit und Nähe zu verlieren?

Verbannte

ab Sonntag, 13. Dezember,
19 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190
www.thalia-theater.de

5 Fragen an Luk Perceval, Regisseur

Was gefällt Ihnen an Hamburg – und was nicht? An Hamburg liebe ich die Seeluft und die Hamburger: Sie sind neugierig und offen, haben die Energie des Wassers und wirken nicht so erschöpft wie beispielsweise die Berliner! Manchmal nervt mich aber der Verkehrsstress. Im Straßenverkehr sind die Hamburger oft stressiger als der Stress.
Ihr Lieblingsplatz in Hamburg? Der Jenischpark.
Ihr perfektes Wochenende? Lang ausschlafen, ausführlich frühstücken, dann zu meinem Schiff in Lübeck fahren. Abends dann kochen oder in die Sauna.
Wie lautet Ihr Wochenenendtipp? Mit dem Eisbrecher „Stettin“ von Cuxhaven nach Hamburg fahren, das ist sehr schön.
Bitte ergänzen Sie: Hamburg ist ... sanft und saftig​.
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