1.000 Fußballer gehen auf die Straße

An der Bahrenfelder Straße sprach er ins Mikrofon: Diddo Ramm, Präsident des FC Teutonia 05.

Teutonia 05 wehrt sich gegen eingeschränkte Nutzung des Platzes an der Kreuzkirche – Anwohnerin hatte sich über Lärm beschwert

Von Folke Havekost. Auf die Tabelle kann Diddo Ramm ganz entspannt schauen. Neun Spiele, neun Siege: Teutonia 05 Ottensen liegt in der Landesliga Hammonia mit acht Punkten Vorsprung unangefochten vorn. Aber der Lärmschutz lässt ihm keine Ruhe.
„Der Fußball macht Jugendarbeit und Integration für dieses Land, und das umsonst. Wir verändern Leben, wir sind ein wichtiger Baustein dieser Gesellschaft“, spricht Ramm ins Mikrofon, als rund 1.000 Jugendliche, Eltern und Vereinsanhänger am Freitag demonstrierend durch Altona ziehen. Mit Fußbällen, Plakaten und Trillerpfeifen protestieren sie gegen Auflagen des Ordnungsamts, das die Nutzungszeiten des Kunstrasenplatzes an der Kreuzkirche aufgrund der Beschwerde einer Anwohnerin massiv eingeschränkt hat.

Eine Beschwerde nach 111 Jahren sorgt für Teilsperrung

„Generationen von Kindern sind an der Kreuzkirche aufgewachsen“, sagt Ramm: „Und nach 111 Jahren hat eine einzelne Beschwerde dazu geführt, dass wir unseren Platz kaum noch nutzen können.“ Mehr als die Hälfte der 38 Jugendmannschaften muss für ihre Heimspiele auf den Grand an der Memellandallee umziehen. „Und unsere 1. Herren könnten in die Oberliga aufsteigen, was soll ich dann für eine Lärmmessung machen?“, fragt Ramm: „Soll ich dem 60. Zuschauer dann sagen: Tut mir leid, jetzt wird’s zu laut, du kannst nicht mehr rein?“
Der 51-jährige Designer hat sich im Kampf gegen die von ihm beklagte „Ego-Gesellschaft“ einen langen Atem zugelegt. Jahrelang kämpfte Ramm darum, dass der staubige Grandplatz der Teutonen in einen trainingsfreundlichen Kunstrasen umgewandelt wird. Anfang 2016 war es soweit. „Er hat der Bezirkspolitik immer wieder penetrant auf die Füße getreten“, erinnert sich der SPD-Bezirksabgeordnete Andreas Bernau.
Doch nun kommt die 18. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz und ihre Auslegung den Kickern in die Quere. Der 3. Oktober sollte für Teutonia 05 eigentlich ein ganz besonderer Feiertag werden. Im Oddset-Pokal empfangen die Ottenser um 10 Uhr Hamburgs Rekordpokalsieger SC Victoria. Weil an Sonn- und Feiertagen an der Kreuzkirche inklusive Aufwärmen nur drei Stunden Fußballbetrieb herrschen darf und zudem die Mittagsruhe eingehalten werden soll, könnte die Durchführung eines Elfmeterschießens zur Ordnungswidrigkeit werden. „Ich glaube nicht, dass die Anwohner Schutz vor uns brauchen“, sagt Ramm kopfschüttelnd: „Wir brauchen Schutz vor den Anwohnern.“

Sport als Lärm
Seit über 100 Jahren spielt der FC Teutonia von 1905 auf seinem Platz an der Kreuzkirche. Nachdem der ate Belag aus Grand durch einen Kunstrasen ersetzt wurde, gelten nun andere Grenzwerte für die Geräuschbelastung. Der bisher geltende Bestandsschutz ist weggefallen. Das Bezirksamt Altona musste daher nach der Beschwerde einer Anwohnerin dem Verein Ruhepausen verordnen. „Sportgeräusche sind kein Lärm: Änderungen im Bundesimmissionsschutzgesetz sind nötig!“, kritisiert der Altonaer Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg (CDU) die Gesetzteslage. Der Bund sei dringend dazu aufgefordert, Gesetze zu erlassen, in denen die Sportgeräusche ebenso behandelt werden, wie „Immissionen“ von Kindern auf Spielplätzen und in Tagesstätten. EW
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